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Vom HSV zu HBO

Pünktlich zur Oscar-Verleihung am Wochenende informiert uns Bruno Labbadia über seine ambitionierten Pläne für den Rest der Saison. Er möchte eine Serie starten.
Der gute Bruno scheint ja in seinem Job als HSV-Übungsleiter nicht sonderlich ausgelastet zu sein – oder vielleicht braucht er nur einen erfüllenden Ausgleich zu der ziemlich frustrierenden Spielzeit seines Teams. Jedenfalls sorgte die Meldung, dass der Trainer ins Fernsehgeschäft einsteigen will, für reichlich Überraschung. Bisher sind noch keine Details über Genre und Handlung des Projekts an die Öffentlichkeit gedrungen, was Anlass zu waghalsigen Spekulationen gibt.

Es ist kein Geheimnis, dass der Zustand der HSV-Truppe sich weiterhin blendend für Zombieszenarien und Splatterfilme eignen würde. Untote können die Hamburger derzeit verkörpern wie kein zweites Team, das liegt ihnen quasi im Blut. Ab der 65. Spielminute bräuchten sie nicht einmal mehr den orientierungslos herumschlurfenden Ghul zu spielen. Da ihnen im letzten Drittel obligatorisch alle Lebensgeister entweichen, würden sie mit ihrer Rolle regelrecht verschmelzen.
Etwas appetitlicher wäre eine Vampir-Romanze, in der die Hanseaten schon 23 Jahre lang nach einem Titel dürsten. Doch immer, wenn es darauf ankommt, fehlt ihnen der Biss oder sie rutschen auf einer Papierkugel aus – das wiederum zweifellos ein Stoff für eine Tragikomödie.

Das lustlose Gekicke der Hamburger können viele momentan sowieso nur noch mit schwarzem Humor ertragen, weshalb sich auch eine Bestatter-Serie anbieten würde: das Vorbild hierfür wäre Six feet under. Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Bruno Labbadia würden sicherlich die Rolle der Totengräber mit viel Pietät ausfüllen und den Bundesliga-Dino garantiert professionell unter die Erde bringen. Zu Beginn jeder Folge könnte man einen besonders dummen HSV-Patzer zeigen, der direkt zu einem gegnerischen Tor führt, und den Verein damit einen Schritt näher an den Abgrund bringt. Leider gibt es bei diesem Setting kein Happy End, sondern nur die Einsicht, dass jeder mal ins Gras der Nordbank-Arena beißen muss.

Von Liebe, Intrigen und gerissenen Peroneus-Sehnen würde eine Krankenhaus-Schmonzette erzählen mit dem Titel Neues aus der Nordbank-Klinik. Professor Labbadia – stets von der vollen Auslastung seiner Betten erfreut – sagt nach jeder schiefgegangenen Operation optimistisch: „Ich nehme viel mit.“ Na hoffentlich auch Schere und Skalpell. Das Haus beherbergt auch einen ganz prominenten Kranken: Den niederländischen Patienten – Ruud van Kuschelrooy. Der hat mit Abstand die längsten Besuchszeiten und wird von Invaliden, Besuchern, Ärzten, Krankenschwestern, Zivis, Putzfrauen und Technikern ständig gedrückt und geherzt, sodass er ernsthafte Quetschungen erleidet, was seinen Krankenhausaufenthalt verlängert und das Image der Klinik aufpoliert.

Warum die Rothosen gerade so schwächlich am Stock humpeln, könnte das beherrschende Thema einer weiteren Arzt-Serie sein – ganz im Stil von Dr. House. Taktisch lebenswichtige Fragen wie „Ist Marcell Jansen links hinten verschenkt?“, „Wer soll neben Zé Roberto die Sechs bilden?“ oder „Hat Guy Demel beim HSV eine Zukunft?“ würden vor und nach dem Spiel im Team heftig diskutiert. Jeder darf seine Meinung sagen – so lange, bis endlich die Koryphäe auf dem Gebiet der Diagnostik eintrifft: Urs Siegenthaler. Der große Scout beim DFB kommt erst im August nach Hamburg und wird dann die Leistungsfähigkeit der Spieler auf Herz und Nieren prüfen. Vielleicht arbeitet Bruno Labbadia da schon bei HBO und startet seine neue Serie.

Elf Zombies müsst ihr sein

Zu Halloween wollten meine Freundin und ich einen stimmungsvollen Gruselfilm anschauen. Unschlüssig standen wir vor den Regalen unserer Videothek und überlegten, ob wir „Braindead“ oder „Dawn of the Dead“, „Dead by dawn“ oder „Dead before dawn“, „Evil Dead“ oder doch lieber „Night of the living Dead“ nehmen sollten. Bei dieser Titelvielfalt fiel die Wahl natürlich schwer und außerdem hatte ich an diesem Tag für meinen Geschmack schon mehr als genug Horror hinter mir. Allein bei dem Gedanken daran lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Um mich abzulenken, durchforstete ich panisch die Regale nach Splatter-Klassikern, doch auch das half nichts.

„Mehr ham wa nich, nur was da steht“, blökte das Videotheksmädchen und schmatzte weiter an ihrem rosa Bubblegum. Meine Freundin hatte es unterdessen zu den Romantic Comedies verschlagen, während ich schon ein zweites Mal die ganzen Gruselreihe durch hatte. Mir wurde klar, dass es keinen Film geben konnte, der nur annähernd so schrecklich war, wie das, was ich nachmittags im Radio gehört und später in der Sportschau gesehen hatte:
Das Spiel HSV gegen Gladbach – für jeden Rautenfan ein knallharter Schocker, der gegen Ende sogar zum Tanz der Untoten mutierte. Jerome Boateng humpelte wie ein angeschossener Zombie über das Feld – ebenso wie der Rest der Hamburger Elf. Die Jungs keuchten über den Rasen und schlurften nur noch dem Gegner hinterher. Viel lebendiger spielten die Gladbacher. Ihr Verteidiger Dante preschte von hinten heran und schleuderte seinen Schädel gegen den Ball. Er hatte leichtes Spiel, denn die Abwehr der Hanseaten war wieder einmal kopflos – zweizuzwei. Später wurde es dann richtig gruselig: Der Fohlen-Joker Rob Friend zeigte seine Fratze – nicht Batman, sondern dem HSV – und zerschoss die Träume der Hamburger von der Tabellenführung.

Mittlerweile hatte ich mich in die Erwachsenenabteilung verlaufen. Und dort irgendwo zwischen Titten und Mösen grinste mich ein Voodoo-Priester vom Cover eines Zuckerhut-Pornos an. Es war kein geringerer als José Roberto da Silva Júnior – Zé Roberto! Schon wollte ich in Ehrfurcht niederknien, da flüsterte mir eine Stimme leise und zärtlich ins Ohr: „Was machst du denn in der Pornoabteilung?“

Auf einen Schlag war ich wieder in der Realität: Meine Freundin hatte mich gerade noch rechtzeitig vor den Untoten gerettet. Sie hielt mir ihren Filmvorschlag entgegen: „It’s alive“, ein Streifen über ein eifersüchtiges Monster-Baby, das alle auffrisst – nur nicht seine Mutter.
Heute kennen wir dieses Ungeheuer als Maik Franz, Knochenzertrümmerer von Eintracht Frankfurt. Fortsetzung folgt…


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