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Troche und der Riesen-Golf

Klassiker-Zitat zum Spiel:
„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“
(Andreas Brehme)

Das Spiel des HSV gegen Wolfsburg erinnerte mich an eine Werbeanzeige von VW, die vor einigen Jahren in Zeitschriften erschienen war. Dort ist eine Reihe von amerikanisch aussehenden Polizisten zu sehen, die sich wie bei einer Belagerung von Geiselgangstern verschanzt haben. Den Cops bietet aber keine Mauer, kein Panzerwagen oder eine sonstige Barrikade Schutz, sondern ein stinknormaler VW-Golf. Die Headline „Extrem gut gebaut“ passt zur Bildaussage und ironisiert sie. Sie könnte aber auch für den neuen Abwehr-Verband der Wölfe stehen, den Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner eigens für sein erstes Spiel konstruiert hat. Disziplin und Geschlossenheit in allen Mannschaftsteilen hatte er gefordert und die wackelige Defensive gestärkt.

Zeitweilig schien es, als ob der amtierende Meister tatsächlich einen Riesen-Golf vor das eigene Tor postiert hatte, an dem das Dauerfeuer des HSV abprallte. Sage und schreibe 21 Schüsse brachten die Hamburger aufs gegnerische Tor, dokumentiert der Teletext, doch nur ein einziges Mal trafen sie. Diesmal war es kein früher, sondern ein sehr später Treffer. Ausgerechnet der formschwache Piotr Trochowski bewahrte die Hanseaten vor einer Niederlage mit einem Flatter-Freistoßtor, das teils Trochowskis toller Schusstechnik, teils den unberechenbaren Flugeigenschaften von WM-Ball Jabolani geschuldet war.

Wie in der letzten Begegnung der vergangenen Saison, als der Mittelfeldspieler ebenfalls in allerletzter Minute den Siegtreffer gegen Frankfurt erzielte und damit den Einzug in die Europa-League sicherte, ist das Zustandekommen des Tors umstritten. In Frankfurt stand „Troche“ klar im Abseits, der damalige Manager Dietmar Beiersdorfer wollte davon aber nichts wissen und behauptete, dass die Abseitsregel im letzten Saisonspiel in der letzten Minute außer Kraft gesetzt sei. Im Spiel gegen den VW-Verein war dem Freistoß ein Foul vorausgegangen, das man nach Ansicht von vflwolfsburgblog nicht hätte pfeifen müssen. Ich denke aber, dass man die Entscheidung des Schiedsrichters vertreten kann, Makoto Hasebe ist doch ein wenig zu ungestüm gegen Eljero Elia in den Zweikampf gegangen. Und wer immer noch an der Rechtmäßigkeit des Freistoßes zweifelt, dem sei frei nach Beiersdorfer gesagt.
„In der 92. Minute gibt es keinen Körpereinsatz.“

Mit dem Unentschieden haben die Hanseaten den fünften Platz gefestigt, aber den Kontakt zu den Top Drei verloren. Es sieht also auch diese Saison für den HSV eher nach Europa League als nach Champions League aus. Es sei denn der Sturm entwickelt bald eine Durchschlagskraft, die selbst durch Panzerglas geht. Sehnsüchtig wartet man in Hamburg auf die Rückkehr des verletzten Zé Roberto. Und noch mehr auf den ersten Auftritt von Ruud van Nistelrooy.

Hamburg, ein Wintermärchen?

Wir schreiben das Jahr 2015. Ein HSV-Fan liest seinem vierjährigen Sohn eine Gutenachtgeschichte vor. Der Kleine ist schon fast eingeschlafen und kuschelt selig mit seinem Stofftier, dem Vereins-Maskottchen Dino Hermann. Das Märchen endet mit den Worten: „Und so konnten die Rothosen in der Saison 09/10 zum letzten Mal gewinnen.“, worauf der Sohnemann im Halbschlaf murmelt: „Du, Papa. Wie ist das eigentlich zu gewinnen?“

Langsam kommt man sich als Anhänger des HSV vor wie dieser kleine Nachwuchsfan. Den letzten Sieg in der Liga gab es vor sieben Spielen – gegen die Unterirdischen aus Berlin. Das ist übrigens zwei Monate her, fühlt sich aber wie eine Ewigkeit an. Noch können wir uns an das Ergebnis erinnern, an den kuriosen Spielverlauf und das skurrile Seehundballett von Ersatzkeeper Sascha Burchert. Doch beinahe hat selbst der eingefleischte Rauten-Supporter vergessen, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Verein in der höchsten deutschen Spielklasse drei Punkte holt.

Zwar kam am letzten Mittwoch bei dem anständigen Zweizunull gegen Rapid Wien in der Europa League ein leichtes Hochgefühl auf. Aber seien wir ehrlich, es waren wirklich schwache Gegner. Die Österreicher sind in der ersten Hälfte nicht in Tritt gekommen – mit Ausnahme der ersten 60 Sekunden, wie Rapid-Trainer Peter Pacult mit typischem Wiener Schmäh und charmanter Selbstironie nach dem Spiel scherzte. Leider konnten die Hamburger den Schwung aus dem internationalen Wettbewerb nicht in die Bundesliga mitnehmen. Gegen den Konkurrenten Hoffenheim blieb in bester Huub Stevens-Manier hinten wie vorne die Null stehen. Das Spiel der Hanseaten will im Moment einfach nicht rund laufen. Nicht nur weil die Schlüsselspieler Zé Roberto und Paolo Guerrero immer noch auf der Verletztenliste stehen. Auch die eingesetzten Eljero Elia und Mladen Petric sind angeschlagen und noch nicht vollkommen fit.

In der nächsten Partie trifft der HSV auf die unberechenbaren Nürnberger. Die kämpften sich im Spiel gegen Wolfsburg zum Sieg, um sich in der Woche darauf von Dortmund nullzuvier entzaubern zu lassen. Genauso wechselhaft ist momentan die Situation bei Bruno Labbadias Team. In der Bundesliga befinden sich die Hamburger drei Punkte entfernt von Platz zwei, genauso viele Zähler sind es bis zum zehnten Rang. Noch ist bis zur Winterpause alles möglich: Tabellenspitze oder Mittelfeld. Und noch können wir auf ein glückliches Ende des Hinrundenmärchens 2009 hoffen.

Elf Zombies müsst ihr sein

Zu Halloween wollten meine Freundin und ich einen stimmungsvollen Gruselfilm anschauen. Unschlüssig standen wir vor den Regalen unserer Videothek und überlegten, ob wir „Braindead“ oder „Dawn of the Dead“, „Dead by dawn“ oder „Dead before dawn“, „Evil Dead“ oder doch lieber „Night of the living Dead“ nehmen sollten. Bei dieser Titelvielfalt fiel die Wahl natürlich schwer und außerdem hatte ich an diesem Tag für meinen Geschmack schon mehr als genug Horror hinter mir. Allein bei dem Gedanken daran lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Um mich abzulenken, durchforstete ich panisch die Regale nach Splatter-Klassikern, doch auch das half nichts.

„Mehr ham wa nich, nur was da steht“, blökte das Videotheksmädchen und schmatzte weiter an ihrem rosa Bubblegum. Meine Freundin hatte es unterdessen zu den Romantic Comedies verschlagen, während ich schon ein zweites Mal die ganzen Gruselreihe durch hatte. Mir wurde klar, dass es keinen Film geben konnte, der nur annähernd so schrecklich war, wie das, was ich nachmittags im Radio gehört und später in der Sportschau gesehen hatte:
Das Spiel HSV gegen Gladbach – für jeden Rautenfan ein knallharter Schocker, der gegen Ende sogar zum Tanz der Untoten mutierte. Jerome Boateng humpelte wie ein angeschossener Zombie über das Feld – ebenso wie der Rest der Hamburger Elf. Die Jungs keuchten über den Rasen und schlurften nur noch dem Gegner hinterher. Viel lebendiger spielten die Gladbacher. Ihr Verteidiger Dante preschte von hinten heran und schleuderte seinen Schädel gegen den Ball. Er hatte leichtes Spiel, denn die Abwehr der Hanseaten war wieder einmal kopflos – zweizuzwei. Später wurde es dann richtig gruselig: Der Fohlen-Joker Rob Friend zeigte seine Fratze – nicht Batman, sondern dem HSV – und zerschoss die Träume der Hamburger von der Tabellenführung.

Mittlerweile hatte ich mich in die Erwachsenenabteilung verlaufen. Und dort irgendwo zwischen Titten und Mösen grinste mich ein Voodoo-Priester vom Cover eines Zuckerhut-Pornos an. Es war kein geringerer als José Roberto da Silva Júnior – Zé Roberto! Schon wollte ich in Ehrfurcht niederknien, da flüsterte mir eine Stimme leise und zärtlich ins Ohr: „Was machst du denn in der Pornoabteilung?“

Auf einen Schlag war ich wieder in der Realität: Meine Freundin hatte mich gerade noch rechtzeitig vor den Untoten gerettet. Sie hielt mir ihren Filmvorschlag entgegen: „It’s alive“, ein Streifen über ein eifersüchtiges Monster-Baby, das alle auffrisst – nur nicht seine Mutter.
Heute kennen wir dieses Ungeheuer als Maik Franz, Knochenzertrümmerer von Eintracht Frankfurt. Fortsetzung folgt…

Erfolg ist Kopfsache

Es hätte für den HSV ein wirklich schönes Berg-Fest werden können. Erst am Donnerstag hatte Marcus Berg in der Europa League getroffen – gegen Celtic Glasgow schoss er das entscheidende Einszunull, nach feinem Zusammenspiel mit Zé Roberto. Und am vergangenen Sonntag bewies der junge Schwede endlich auch einmal wieder in der Bundesliga, dass er weiß, wo das Tor steht und war im Spitzenspiel gegen Schalke gleich zweimal erfolgreich. Beide Treffer wurden von den Tempomachern Eljero Elia und Zé Roberto unnachahmlich herausgespielt und sind Indiz für die hohe Spielkultur, die bei den Hanseaten in dieser Saison herrscht. Jeder, der die Raute im Herzen trägt, hofft, dass der Torschützenkönig der U21-EM nun den Durchbruch geschafft hat. Gleich in seiner ersten Saison bildet er den Einmann-Sturm des Titelkandidaten und soll den HSV in Liga und Europa League mit möglichst vielen Toren auf Kurs halten. Es gibt wirklich leichtere Aufgaben für einen 23-Jährigen.

Trotz ihrer stark dezimierten Angriffsreihe hätten die Hamburger fast drei Punkte aus Schalke mitgenommen und wären beinahe wieder Spitzenreiter geworden – mit zwei Punkten Abstand auf Leverkusen. Der Spieler des Tages vereitelte jedoch die Träume des HSV in allerletzter Minute: Kevin Kuranyi. Den Stürmer, der bei den Knappen umstritten ist, bekamen die Rothosen einfach nicht in den Griff. Er erzielte zwei Tore und holte ausgerechnet den Freistoß heraus, der die rote Karte für David Rozehnal bedeutete und das Zweizuzwei einbrachte. Viele betrachten den ehemaligen Nationalspieler schon seit seiner Zeit beim VFB Stuttgart als spielerisch stark limitiert – sein Kopfballspiel ist aber immer noch eines der besten in der Liga. Das zumindest bekam der HSV schmerzlich zu spüren.
Die drei Kopfballtore der Königsblauen verdeutlichten die Schwächen der Hamburger Innenverteidiger Joris Mathijsen und David Rozehnal in der Luft. Später kam zwar der kopfballstarke, aber verletzte Jerome Boateng ins Spiel. Doch auch er konnte den Ausgleichstreffer nicht verhindern. Nach einer Zweizunull- und einer Dreizuzwei-Führung zehn Minuten vor Schluss fühlte sich dieses Unentschieden für Hamburg im Grunde wie eine Niederlage an.

Glücklicherweise hat der HSV diese Woche während der DFB-Pokal-Spiele ein bisschen Pause. Böse Zungen behaupten, die abgezockten Hamburger seien in diesem Wettbewerb mit Absicht ausgeschieden, damit sie die Zeit sinnvoll nutzen können: Mit Extra-Einheiten Kopfballtraining für die Innenverteidigung. Vielleicht assistiert ja Horst Hrubesch als Experte.

Aus Versehen gewonnen

Seit Sonntag wird in Berlin viel diskutiert über das ausbaufähige Kopfballspiel von Hertha-Ersatz-Torhüter Sascha Burchert. Zweimal war er gegen den HSV aus dem Strafraum geeilt, um mit dem Kopf die Situation zu klären. Und beide Male spielte er den Ball dem Gegner direkt vor die Füße, was unmittelbar zu den Gegentreffern zwei und drei führte. Die Presse sprach deshalb höhnisch von „Slapstick-Einlagen“ und „Klöpsen“. Das Team und der Verein hingegen stellen sich demonstrativ vor den Keeper und sprechen ihn von jeder Schuld frei. Die Berliner Hintermannschaft habe Burchert in den entscheidenden Momenten im Stich gelassen. Auch Herthas verletzte Nummer eins Jaroslav Drobny beteuert, er hätte nicht anders reagiert. Trotzdem: Ein Kopfballungeheuer wie Horst Hrubesch wird die Nummer drei bei Hertha in diesem Leben wohl nicht mehr.

Kein Torwartproblem hat momentan der HSV, trotzdem weiß er nicht so recht, was ihm in Berlin geschehen ist. Obwohl die Hamburger nach einem sehr gemächlichen Beginn und dem frühen Nullzueins die Kontrolle über das Spiel gewannen, fielen ihnen die eigenen Tore mehr zu, als dass sie die Treffer durch gelungene Spielzüge erzwungen hätten. Drei lange Bälle gegen die Hertha-Abwehr reichten, um das Spiel zu entscheiden. Sie führten zu einem Eigentor durch Kaka und eben den beiden missglückten Kopfballparaden von Burchert, die David Jarolim und der wieder glänzende Zé Roberto nutzen konnten. Im Gegensatz zu Freiburg und Hoffenheim feierten die Rothosen in der Hauptstadt aber kein Schützenfest. Das lag vor allem an den Hanseaten selbst, bei denen in der Spitze nicht viel zusammenlief: Marcus Berg ist immer noch nicht richtig im Team angekommen und Mladen Petric musste schon früh verletzt ausgewechselt werden. Zudem stemmte sich die Hertha so gut es ging gegen die Niederlage, hatte aber nach den drei Gegentoren aus der ersten Halbzeit nichts mehr entgegenzusetzen.

Dem Eigentor zum Einszueins war übrigens ein lauter Knall durch einen Feuerwerkskörper im HSV-Fanblock vorausgegangen. Und Hertha-Verteidiger Kaka war wohl so sehr erschrocken, dass er den Ball ins Tor einnickte – blöderweise in das eigene. So wurden die stimmungsvollen HSV-Anhänger noch zum sprichwörtlichen 12. Mann ihres Teams. Auch ihrer Unterstützung ist es zu verdanken, dass dem Verein nach zwölf langen Jahren endlich einmal wieder ein Auswärtssieg in Berlin gelingen konnte.


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