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Finale auf Sibirisch

So macht Winterfußball Spaß. Im Stadion Gefriertruhenkälte, der Schnee liegt wie gefrorener Zuckerguss auf dem Spielfeld, so dass sich die Spieler wie auf einem vereisten See bewegen. Ihr Atem dampft, die Kälte beansprucht die Lunge. Handschuhe und Rollkragenpulli wärmen so gut es geht. Doch die Nasen, Wangen und Ohren sind rot wie der Ball. Fremd sieht das Spielgerät im Schneegestöber aus und es verhält sich auch so: springt tückisch hin und her und ist nur schwer zu kontrollieren. Zum Glück ist die Fernbedienung zuhause im warmen Wohnzimmer berechenbarer. Selten rutscht sie mir aus der Hand. Ja, es ist wirklich schön, sein Team in den heimischen vier Wänden gewinnen zu sehen.

Der letzte Spieltag der Hinrunde zeigte wieder einmal, dass Fußball im Winter einen besonderen Reiz hat. Denn während Deutschland am Wochenende in winterlicher Kälte bibberte, wurde in der Bundesliga noch der Herbstmeister ausgespielt. In einem spannenden Finale zeigte Leverkusen beim Sieg gegen starke Gladbacher ungewöhnlich viel Biss beim Abschütteln seines Zweitnamens Vizekusen: Glückwunsch zur Herbstmeisterschaft! Und auch die folgenden vier Teams in der Tabelle haben eiskalt zugeschlagen. Herrlich wie der HSV im Derby die Grünen Weserlinge schockgefrostet und damit die Papierkugel Gottes ein für allemal pulverisiert hat. Nehmen Sie das, Herr Wiese, und grüßen Sie recht herzlich Ihr Stamm-Solarium, wenn Sie sich wieder auftauen lassen.

Die Liga macht nun einen Monat lang Winterpause. Zeit zum Erholen für Hamburgs Langzeit-Invaliden Alex Silva, Collin Benjamin, Paolo Guerrero und Zé Roberto. Aber wenn diese Leistungsträger erst einmal wieder fit sind, dann sollten sich die ersten Gegner im nächsten Jahr – Freiburg, Dortmund und Wolfsburg – jetzt schon richtig warm anziehen.

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Zum Papierkugeln!

DFB-Pokal: draußen, UEFA-Cup: draußen, Meisterschaft: vergeigt, und jetzt auf dem 6. Platz – die absolute Arschlochkarte hat gerade: Nur der HSV.
Eigentlich müsste ich kettenweise Stress-Zigaretten qualmen, aber ich habe erst vor gut fünf Wochen mit dem Rauchen aufgehört – und sorry, Herr Tim Wiese: Wenn Sie auch in den letzten drei Wochen auf meinen Gefühlen rücksichtslos herumgetrampelt sind: Wegen Ihnen fange ich das Rauchen bestimmt nicht wieder an. Mein Kumpel Marcel, angehender Psychologe, hat mir geraten, bis zum nächsten Spiel gegen Bremen Papierkügelchen in meinem HSV-Aschenbecher zu verbrennen – zur Trauma-Bewältigung. Ich jedenfalls habe Basteln oder Origami schon immer gehasst und finde, dass nur Mistkäfer das Recht haben sollten, Kugeln zu drehen. Welcher Idiot ist eigentlich auf die Idee gekommen, zerknülltes Papier auf das Spielfeld zu werfen? Sollte das etwa lustig sein? Hat man den Spaßvogel schon ausfindig gemacht? Mit der heutigen Kriminalistik dürfte das doch kein Problem sein.

Am Samstag rechnete mir ein Fußball-Kumpel noch vor, dass die Meisterschaft für den HSV absolut realistisch sei, aber das ist ja seit Sonntag und der 3672. Klatsche gegen Bremen auch vorbei. Der besagte Sonntag war ja Muttertag und ich rief meine Mutter an, um zu gratulieren, hatte aber meinen Vater an der Strippe, der mitfühlend kondolierte: Ich würde in den letzten Wochen ja eine besonders harte Leidenszeit durchmachen – zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 1:0 für Bremen.

Schon am Freitag – nach dem UEFA-Cup-Aus – war mir eigentlich alles egal und ich habe aus purem Trotz in einem Wettbüro auf die Bundesliga gewettet – zum ersten Mal. Die junge Frau an der Kasse nahm meinen Tipp an und wünschte mir mit einem breiten Grinsen „viiiiieeeel Glück!“ Als ich das Wettbüro verlassen hatte, brach dort plötzlich ein schallendes Gelächter aus. Nun bilde ich mir ein, dass sie über mich gelacht haben. Ich hatte unter anderem auf das Spiel 26A gewettet, Werder Bremen gegen den HSV. Mein Tipp war: Sieg für den HSV.


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