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Die Schurken-Schwaben

Wenn ich Leuten zum ersten Mal erzähle, ich sei Anhänger des HSV, schauen sie mich meist mit großen, fragenden Augen an. Warum denn mein Herz nicht für den VfB Stuttgart schlage, wollen sie wissen. Ich komme doch aus der Gegend und lebe zudem momentan weit weg vom „Ländle“ als Exil-Schwabe im fernen Berlin, wo es keine anständigen Brezeln gibt und die Leute „Schwaben raus“ an die Wände schmieren. Wahrscheinlich wirke ich in diesen Situationen bemitleidenswert entwurzelt und uneins mit meiner Heimatregion.

Das trifft jedoch nur für den Fußball zu. Wenn es um Trollinger, Lemberger und Schwarzriesling geht – allesamt Weine, die für Reingeschmeckte im Grunde ungenießbar sind – höre ich mich selten „Nein“ sagen. Ebenso liebe ich die Weinberge, die die zahlreichen Gemeinden im Unterland umfassen, sowie die spezielle Variante der schwäbischen Mundart, die hier einen stärkeren Singsang hat als in der Landeshauptstadt. Die Nähe zu Karlsruhe und Heidelberg, aber auch zum Odenwald schwingt im Sprechen der Menschen mit.

Obwohl ich also meine schwäbischen Wurzeln nicht verleugnen möchte, wurde mir der „Verein für Bewegungsspiele“ in meiner Kindheit durch drei prägende Figuren vergällt: Gerhard Meier-Röhn, Gerhard Mayer-Vorfelder und Olli, der Lockenbua.

Gerhard Meier-Röhn leitete in den 80er Jahren als Sportchef des SWR die Sendung „Sport im Dritten“ und trug zu dieser Zeit eine Brille mit Gläsern groß wie zwei Rhönräder. In den Beiträgen ging es um den Sport aus baden-württembergischer Perspektive und dabei spielte der VfB als Musterverein der Region eine Hauptrolle. Meier-Röhns langgezogenes „Vau“ ist mir noch sehr lebendig in Erinnerung, ebenso seine stets etwas gelangweilte und herablassende Art, die man am besten mit dem schönen Wort „blasiert“ beschreiben kann. Irgendwie kam er sich viel zu cool vor für den profanen Moderations-Schlamassel.

Die Sendung fiel immer auf einen Sonntag, meinen obligatorischen Badetag. Frisch gebadet, mit noch feuchten Haaren und Wasser in den Ohren, verfolgte ich zusammen mit meinem Vater die Neuigkeiten aus dem Südwesten. Er selbst war mit seinen Eltern im Alter von vier Jahren aus Leipzig in die Gegend gekommen und erreichte über den Sport eine Identifikation mit der Region. Als passabler Stürmer der Kinder- und Jugendzeit konnte er sich vor allem über den Fußball im Schwabenland integrieren. Gern hörte er Meier-Röhn zu, wenn der mal wieder von „unserem VfB“ sprach, was ich als unzulässige Vereinnahmung empfand. Aber ich war wohl so ziemlich der einzige Zuschauer dieser Sendung, der die Klubs aus dem Musterländle relativ leidenschaftslos zur Kenntnis nahm. Heute sehe ich Gerhard Meier-Röhn als die Kröte an, die ich gemeinsam mit meinem Vater schlucken musste, damit er sich in dem schwäbischen Städtle heimisch fühlen konnte.

Der Journalist war später Mediendirektor des DFB und hier kreuzen sich seine Wege mit dem quasi Namensvetter Gerhard Mayer-Vorfelder, in meiner Kindheit Kultusminister von Baden-Württemberg und Präsident des VfB. Der konservative Politiker war eine willkommene Zielscheibe im schwarz regierten südwestlichen Bundesland. Da das „Cleverle“, Ministerpräsident Lothar Späth, sich nicht recht als bad guy eignete, verkörperte der gebürtige Mannheimer die hässliche Fratze der CDU. Er hatte so ein gegeltes Trickbetrüger-Lächeln, ein Haifischgrinsen. Verschlagen blitzten die zu weiß gebleichten Zähne im Solarium gebräunten Gesicht, sodass es mich heute noch bei dem Gedanken daran innerlich schüttelt. Neben „MV“ wäre selbst Gordon Gekko zum Sympathieträger mutiert.

Mayer-Vorfelders Auftritt bei der EM 2004 in Portugal, dem letzten Rumpelfußballturnier einer deutschen Fußball-Mannschaft, zeigte uns eine weitere Seite seiner Persönlichkeit. Damals saß er als DFB-Präsident auf einem Stuhl am Rand des Trainingsplatzes und erinnerte mit Weste und ohne Sakko an einen Mafia-Paten, was unfreiwillig komisch wirkte. Die Analogie zu dem Kino-Klassiker von Francis Ford Coppola konnte treffender nicht sein, handelt der Film doch von dem Niedergang einer Familie. Auch der exzentrische Württemberger verwaltete bei der Euro vor sechs Jahren einen Untergang, allerdings den einer gesamten Fußballnation, was man als Zuschauer im letzten Spiel gegen die tschechische B-Elf bitter miterleben konnte.

Der Dritte im Bunde der fürchterlichen Schwaben war ein Schulkamerad und Kumpel: Olli, „d’r Lockenbua“ oder „’s Zwergle“, wie ihn meine Oma wahlweise wegen seiner Haarpracht und seiner geringen Körpergröße genannt hatte. Olli war immer unglaublich cool. Schon als Achtjähriger hatte er ein damals so heiß begehrtes BMX-Fahrrad, klatschte beim Fahren in die Hände, pfiff auf den Fingern und skandierte dazu „Oleoleoleole.“ Beim Fasching ging er nicht als Cowboy oder Indianer. Nein, er stylte sich als Punker: Riss seine Jeans auf und bemalte sie, schmierte sich Zuckerwasser ins gefärbte Haar und formte es in der Mitte zu einem Hahnenkamm, so wie es heute noch manche Jugendliche tun, die eine besonders lange Leitung haben oder eben ganz weit draußen wohnen.

Olli war so vorlaut und rotzfrech wie der Werbedreikäsehoch, der beim Nutella Spot die Jungnationalspieler an der Nase herumführt und in einer DiBa-Werbung für ein Autogramm Dirk Nowitzki anblafft, weil der nicht in Schönschrift unterzeichnet. Mein kleiner Kumpel hätte hingegen das Krikelkrakel der Stars cool und geheimnisvoll gefunden, wie übrigens die meisten Kinder in diesem Alter.

Auch für seinen Verein schrie und quengelte der Lockenjunge. Er war ein „VfB-Spitz“, wie man die Anhänger der Klubs in unserer Gegend humorvoll-abwertend nannte: ein Fan des „Vereins für Behinderte“. Besonders laut krakeelte er in der Saison, als das Team Meister wurde – angetrieben durch die genialen Mittelfeldspieler Asgeir Sigurvinsson und Karl Allgöwer, abgesichert von den kompromisslosen Förster-Brüdern und Helmut Rohleder im Tor. In dieser Spielzeit war der HSV der schärfste Konkurrent der Schwaben. Die Hamburger hatten die beiden vorangegangenen Meisterschaften und den Landesmeisterpokal an die Alster geholt. Diesmal mussten sich die Hanseaten aber mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Und ich hatte als einziger Rauten-Fan die Jubel- und Spottgesänge im Unterland zu ertragen.

Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob sich mein Kontakt zu Olli tatsächlich nur verlief, weil wir gegnerischen Fußball-Klubs anhingen. Das Gedächtnis fantasiert im Nachhinein ja gerne, konstruiert unüberwindbare Grabenkämpfe, wo in Wirklichkeit nur ein Missverständnis herrschte. Im Grunde waren wir von unserem Wesen her zu unterschiedlich, ziemlich oft gehen ja ungleiche Kinder-Freundschaften auseinander.

Fakt ist jedoch, dass Olli, Mayer-Vorfelder und Meier-Röhn am Ende der Saison 1983/84 alle ausgelassen jubelten. Fast erscheint es mir, dass sie sich gemeinsam umarmten, was natürlich völliger Quatsch ist. Ich wusste jedoch schon damals ganz genau, dass ich, was den Fußball angeht, nie in Schwaben heimisch werden würde.

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Halslose Argumente

Armin Veh, derzeitiger Übungsleiter beim HSV, bringt das Hamburger Umfeld durch einen eindeutig zweideutigen Spruch durcheinander. Er hat einen Hals, sagte er nach dem unglücklich verlorenen Spiel gegen die Weserlinge. Diese Aussage sollte man ebenso wörtlich nehmen wie dereinst Bruno Labbadias legendäres Zitat, er wolle eine Serie starten. Ein Wunsch, der ebenso verpufft ist wie Labbadias Kariere an der Alster. Bisher hat man weder in Potsdam-Babelsberg noch in Hollywood je etwas von dem smarten Darmstädter gehört. Vielleicht ist das besser so.

Mit dem Bekenntnis zu seinem Hals schärft der knurrige Veh hingegen das eigene Profil. Denn im Fußballgeschäft scheinen gerade die Spieler in Mode zu sein, die auch ohne dieses Körperteil eine gute Figur abgeben. Mühelos hätte man bei der WM in Südafrika ein Team der Halslosen zusammenstellen können. Der argentinische Abwehrspieler Jason  Gutierrez, er ähnelt Averell, dem längsten und dümmsten der Dalton-Brüder aus den Lucky Luke Comics,  trägt seinen Kopf ebenso übergangslos auf der Schulter wie Mexikos Stürmer Cuauhtémoc Blanco, der schon allein durch seinen Vornamen für große Verwirrung in den gegnerischen Abwehrreihen sorgt. Gleich daneben Im Angriffszentrum wäre noch Platz für Wayne Rooney, den unerzogenen Bullterrier, dem man schnell ein Fußballtrikot übergestreift hat, damit er auf dem Platz nicht nackt herumrennen muss.  Betreut und nach vorne dirigiert würde das ungewöhnliche Team von einem weiteren Kampfbullen, Diego Armando Maradona. Ihn hat man allerdings in feines Zwirn gekleidet, das knitterfrei ist und genug Bewegungsfreiheit lässt für wütende Derwisch-Tänze.

Die Forderung nach einem Team der Halslosen ist natürlich haltlos. Denn dieses Körperteil bringt Armin Veh ungeahnte Wettbewerbsvorteile. In schwierigen Zeiten kann er daran abmessen, bis wohin ihm das Wasser steht. Oder er nimmt sein Schicksal selbst in die Hand und zieht den Hals gerade noch mal so aus der Schlinge.

Nach der unnötigen Niederlage gegen den Erzrivalen von der Weser interessierte sich Herr Veh noch auf dem Platz ganz besonders für den schmalen Hals von Piotr Trochowski. Den hätte der schlecht gelaunte Augsburger nämlich dem sensiblen Mittelfeldspieler am liebsten umgedreht.

Meine Mutter hätte für dieses Durcheinander beim HSV nur ein Lächeln übrig und den Spruch: „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig isch.“

Vielleicht fehlen den Hamburgern einfach ein paar schwäbische Weisheiten und das dazugehörige Augenzwinkern.

Spanisch für Anfänger

Quelle: Compact Verlag

Diese Woche ließ José Mourinho die Presse wissen, dass er sich gerne einmal näher mit den beiden deutschen Neuzugängen Mesut Özil und Sami Khedira unterhalten würde. Der Trainer von Real Madrid weiß, dass eine gepflegte Konversation das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärkt – wenn man nicht gerade heikle Themen wie Politik, Religion oder die desolaten Finanzen des eigenen Klubs anschneidet.

Leider erschwert ein Umstand das ungezwungene Parlieren. Der portugiesische Star-Coach spricht weder Deutsch noch Türkisch. Nicht einmal ein paar Brocken Schwäbisch kann er mit dem ehemaligen Stuttgarter Sami Khedira austauschen, da er außer Spanisch, Italienisch und Englisch keine weitere Fremdsprache beherrscht. Unbehagliches Schweigen ist die Folge dieser babylonischen Sprachverfehlung und das führt zu Missverständnissen und bösem Blut.

Mourinho petzte nämlich den Journalisten, dass die beiden Mittelfeld-Talente in der Landessprache weit limitierter sind als in ihrem Fußballspiel. Nur „buenos dias“ und „hola“ beherrschen sie , also weit weniger als der durchschnittliche Malle-Besucher, der wenigstens noch „una, dos, tres cerveza“ und „un café solo“ bestellen kann.

Meine spanischen Sprachschüler bestätigten mir aber, dass es mit den Spanischkenntnissen des exzentrischen Fußballlehrers auch nicht weit her ist. Trotzdem hat er für die Mütter der beiden Jungstars schlechte Nachrichten: Ihr Nachwuchs habe in der Schule wohl desöfteren den Englisch-Unterricht geschwänzt. Denn selbst in der lingua franca sei eine Unterhaltung zum Beispiel über Wittgensteins tractatus nicht möglich. Dieses Manko teilt das deutsche Duo übrigens mit Lothar Matthäus, der einst selbst zugab: „My Englisch is not very good. But my German is much better.“

„Wovon man nicht reden kann, darüber sollte man schweigen.“, sagt der Philosoph, aber nicht der Trainer der Königlichen. Der steckt den Finger lieber direkt in die Wunde der Einsprachigkeit – just in dem Moment, in dem hier allen Ernstes darüber diskutiert wird, ob unser Land deshalb verdummt, weil sich die vermeintlich Blöden, die Migranten, rascher vermehren. Bestätigt Mourinhos Kritik an den beiden Deutschen mit Migrationshintergrund ungewollt die kruden Zahlenspielchen des maulwurfsäugigen Berliner Ex-Finanzministers?

Aber nein, der brave Sami Khedira zeigt sich nach der Trainer-Schelte jedenfalls schon reuig und gelobt, nach den EM-Qualifikationsspielen, dreimal pro Woche einen Intensiv-Kurs in Spanisch zu belegen. Hoffen wir also, dass er mehr Sprachtalent beweist als der einstige Gladbach-Stürmer Lawrence Aidoo aus Ghana, gegen den Hans Meyer mit einem legendären Bonmot stichelte: „Er lernt seit zwei Jahren die deutsche Sprache und kann jetzt schon „Guten Tag“ sagen.“

Auch in der Bundesliga kämpfen ausländische Spieler meist nicht nur mit dem Ball, sondern mit der permanenten Frage: „der, die oder das“? Traditionell gelten die Niederländer als sprachkompetent. Louis van Gaal, Arjen Robben und Marc van Bommel beherrschen Deutsch wie einen niederländischen Dialekt. Spielerisch leicht prägen sie neue Redewendungen, die dann von Muttersprachlern übernommen werden, wie zum Beispiel „Chancen kreieren“ oder die Verwendung des „Du“ anstelle des unpersönlichen „man“.

Zu den Sprachverweigerern zählen tendenziell die Brasilianer; sie überzeugen lieber durch Taten denn Worte. Eine Ausnahme bildet freilich „kleines, dickes Ailton“, der am liebsten in der dritten Person von sich selbst spricht. Lockere Sprüche wie „Ailton auswechseln? – Immer Fehler!“ oder „Ailton Tor: alles gut!“ sind zu seinem sprachlichen Markenzeichen geworden.

Preisverdächtig ist jedoch die Lernbereitschaft des ersten Nordkoreaners im deutschen Profi-Fußball. Chong Tese vom VfL Bochum gab nach erst fünf Wochen Unterricht schon sein erstes Interview auf Deutsch. „Lernen statt schlafen“ lautet sein ehrgeiziges Motto. José Mourinho wäre begeistert.

Play English Or Die

„Scheps isch Englisch und Englisch isch modern.“, pflegte meine Mutter zu sagen, wenn ich mich als Kind mal wieder etwas unordentlich oder wie sie es nannte „scheps“ (schief) anzog oder ein Poster schräg an die Wand hängte.

Mindestens so schief wie manch schwäbische Weisheit waren die Ergebnisse des 2. Spieltags der Fußball-Bundesliga: 6:3, 4:3, 4:2. Es scheint, als wären die Torhüter letztes Wochenende zusammen mit ihren Abwehr-Viererketten auf einem Betriebsausflug gewesen, so sperrangelweit standen die Tore in Deutschlands höchster Spielklasse offen. „Torfabrik“, der Ball mit dem seit dieser Saison alle Erstliga-Vereine spielen, machte seinem Namen also alle Ehre und die Zuschauer konnten sich über englische Verhältnisse in den Stadien freuen. Auf der Insel greifen die Torhüter ja auch ohne den deutschen Wunderball traditionell öfter hinter sich, was sowohl dem englischen Tempofußball als auch der Slapstick-Begabung der dortigen Goalies geschuldet ist.

Doch auch auf der Insel fallen in der gegenwärtigen Spielzeit mehr Tore als gewohnt. Gleich drei Teams gewannen am 2. Spieltag mit 6:0; der FC Chelsea strafte gleich zwei Gegner mit diesem Ergebnis ab und führt nach drei Spielen und drei Siegen mit 14:0 Toren die Premier League an. Das macht im Durchschnitt rund 4,7 Tore pro Spiel. Das ist phänomenal, spricht aber auch nicht unbedingt für die Erstligatauglichkeit der Gegner.

Raphael Honigstein spürt in seinem Buch Harder, better, faster, stronger der „geheimen Geschichte des englischen Fußballs“ nach und versucht zu erklären, warum gerade auf der Insel so viele Tore fallen. In der Mentalität des Einsteckenkönnens sieht er den Schlüssel dafür. Wer das eigene Tor zu sehr beschützt, gilt im Königreich nicht als clever, sondern als Angsthase. Ein echter Engländer sehnt Rückschläge sogar herbei, um aus ihnen dann wie Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen. Ein leidenschaftlich errungenes 5:4 gilt mehr als ein klares, humorloses 5:0. Das konträre Modell dazu bildet der Italienische Catenaccio-Fußball. Oberste Priorität bei dem berüchtigten Abwehrriegel ist, keinen reinzukriegen. Die Machos von den Appeninen wollen vom Gegner nicht zur Frau gemacht werden und stellen deswegen den Wunsch, selbst ein Tor zu erzielen, hinten an.

Übertragen bedeutet das, dass am vergangenen Bundesliga-Spieltag die gestandenen Torhüter von Leverkusen und Wolfsburg zu Frau René Adler (6! reingekriegt) und Frau Diego Benaglio (nur 4 Gegentore) mutierten und große Leidensfähigkeit unter Beweis stellen mussten.

Dagegen fährt der HSV momentan eher gemäßigte, aber dennoch erfolgreiche Ergebnisse ein. 3:1 gewann man am Wochenende in Frankfurt. Traditionell erwischten die Hamburger einen guten Start, was in der Vergangenheit bedeutete, dass der Einbruch nicht lange auf sich warten ließ.

Anders als in der letzten Saison, als die Rothosen für ihre Frühstarts in der ersten Viertelstunde gefürchtet waren und dann ab der 60. Minute stetig abbauten, beweisen sie nun einen langen Atem. Alle fünf Tore in den beiden Partien wurden in der zweiten Halbzeit erzielt, drei davon nach der 80. Minute. So viel Puste hätte man den Hanseaten gar nicht zugetraut. Skeptiker meinten, Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto und David Jarolim könnten höchstens noch bei einer Ü30-Party für Wirbel sorgen, nicht aber in der jugendlichen Bundesliga. Sie haben sich getäuscht. Die Hamburger Oldies können sich ganz auf Meisterschaft und Pokal konzentrieren und dort zeigen, dass sie Goldies sind. Die nervige Europa League haben sie sich diesmal erspart – und verzichten somit auf anstrengende Englische Wochen.

Raphael Honigstein, Harder, better, faster, stronger. Die geheime Geschichte des englischen Fußballs. KiWi Köln 2006.


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