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Hamburg, ein Wintermärchen?

Wir schreiben das Jahr 2015. Ein HSV-Fan liest seinem vierjährigen Sohn eine Gutenachtgeschichte vor. Der Kleine ist schon fast eingeschlafen und kuschelt selig mit seinem Stofftier, dem Vereins-Maskottchen Dino Hermann. Das Märchen endet mit den Worten: „Und so konnten die Rothosen in der Saison 09/10 zum letzten Mal gewinnen.“, worauf der Sohnemann im Halbschlaf murmelt: „Du, Papa. Wie ist das eigentlich zu gewinnen?“

Langsam kommt man sich als Anhänger des HSV vor wie dieser kleine Nachwuchsfan. Den letzten Sieg in der Liga gab es vor sieben Spielen – gegen die Unterirdischen aus Berlin. Das ist übrigens zwei Monate her, fühlt sich aber wie eine Ewigkeit an. Noch können wir uns an das Ergebnis erinnern, an den kuriosen Spielverlauf und das skurrile Seehundballett von Ersatzkeeper Sascha Burchert. Doch beinahe hat selbst der eingefleischte Rauten-Supporter vergessen, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Verein in der höchsten deutschen Spielklasse drei Punkte holt.

Zwar kam am letzten Mittwoch bei dem anständigen Zweizunull gegen Rapid Wien in der Europa League ein leichtes Hochgefühl auf. Aber seien wir ehrlich, es waren wirklich schwache Gegner. Die Österreicher sind in der ersten Hälfte nicht in Tritt gekommen – mit Ausnahme der ersten 60 Sekunden, wie Rapid-Trainer Peter Pacult mit typischem Wiener Schmäh und charmanter Selbstironie nach dem Spiel scherzte. Leider konnten die Hamburger den Schwung aus dem internationalen Wettbewerb nicht in die Bundesliga mitnehmen. Gegen den Konkurrenten Hoffenheim blieb in bester Huub Stevens-Manier hinten wie vorne die Null stehen. Das Spiel der Hanseaten will im Moment einfach nicht rund laufen. Nicht nur weil die Schlüsselspieler Zé Roberto und Paolo Guerrero immer noch auf der Verletztenliste stehen. Auch die eingesetzten Eljero Elia und Mladen Petric sind angeschlagen und noch nicht vollkommen fit.

In der nächsten Partie trifft der HSV auf die unberechenbaren Nürnberger. Die kämpften sich im Spiel gegen Wolfsburg zum Sieg, um sich in der Woche darauf von Dortmund nullzuvier entzaubern zu lassen. Genauso wechselhaft ist momentan die Situation bei Bruno Labbadias Team. In der Bundesliga befinden sich die Hamburger drei Punkte entfernt von Platz zwei, genauso viele Zähler sind es bis zum zehnten Rang. Noch ist bis zur Winterpause alles möglich: Tabellenspitze oder Mittelfeld. Und noch können wir auf ein glückliches Ende des Hinrundenmärchens 2009 hoffen.

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Ein verlorener Tag

Man munkelt, dass Erdbebenforscher gestern Erschütterungen im Raum Wien gemessen haben. Ernst Happel, der Übertrainer des HSV, hat sich wohl in seinem Grab herumgedreht. Denn das Nullzudrei seines ehemaligen Meistervereins gegen Rapid war ihm wohl doch zuviel des Guten. Andererseits hatte der kettenrauchende Coach als Aktiver bei Rapid gespielt und wurde auch dort zur Legende, weshalb das Stadion seinen Namen trägt. Vielleicht kamen also die Erschütterungen von den unterirdischen Freudensprüngen des früheren Verteidigers, aber das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Dafür war der Österreicher für den Rautenverein zu prägend und stilbildend. Man erinnere sich nur an die Einführung des Pressings an der Alster, das den Gegner schon früh unter Druck setzte und den Sieg des Landesmeisterpokals sowie zweier deutscher Meisterschaften begründete.

Ausgerechnet im Ernst-Happel-Stadion musste Hamburg also eine herbe Niederlage erleiden und gerät nun in der Europa League in Zugzwang. Aus HSV-Perspektive bleibt festzuhalten, dass viel falsch gelaufen ist – seit 1683. Es wäre besser gewesen, wenn Wien in diesem Jahr türkisch geworden wäre – denn in Istanbul haben die Rothosen letzte Saison im UEFA-Cup famos gewonnen. Dass die Donaustadt doch noch vor den Osmanen gerettet wurde, lag am Hauptbefehlshaber des christlichen Heeres: Johann III. Sobieski, König von Polen. Mich würde nun brennend interessieren, wie der werte Herr Trochowski zu der tollen Tat seines quasi Landsmanns steht – heute, einen Tag nach der Pleite gegen die Ösis.

Bruno Labbadia ist ebenfalls an der Festung Wien gescheitert und die Österreicher freuen sich wieder einmal wie ein Schnitzel darüber, dass sie einen deutschen Verein besiegt haben. So schnell werden die den kleinen-Bruder-Komplex nicht los, befürchte ich. Labbadia dürfte derweil andere Sorgen haben. Er steht im Schatten des Übervaters Happel und wird beweisen müssen, dass der berühmteste Spruch des Grantlers auch für den HSV der Saison 2009/10 zutrifft: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“


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