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Finale im Taunus

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Zum Bundesliga-Finale war ich auf einem Grillplatz im Taunus, eine halbe Stunde mit der Regionalbahn von Frankfurt entfernt, wo der HSV seinen Einzug in die Europa League perfekt machen wollte. Eine Freundin meiner Freundin veranstaltete dort ihre Hochzeitsfeier – Grillen, mitten in der Natur, schön idyllisch an einer Hütte. Mit Bierbänken, Biertischen, einer Liegewiese aus Stroh und einem Camping-Platz – fehlte nur noch eine Großbildleinwand und ein Sanitäterzelt mit Herzspezialisten. Denn auch das letzte Spiel des HSV verlief wie die Kurve eines Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen. Eigentlich müsste nach dem Schock-Finale jeder HSV-Fan eine kardiologische Behandlung von der Krankenkasse bezahlt bekommen.

Nervenschonend war die Meisterschaftsfrage – der Drops war schon nach dem Einchecken in unsere, übrigens unterirdisch verratzte, Pension gelutscht, also nach einer halben Stunde. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit kamen wir am Grillplatz an, aber es war noch fast niemand von den Hochzeitsgästen da. Deshalb seilte ich mich ab in Wald und Flur zu Kühen, die sicher mal ein gutes Steak geben, Pferden, Schafen und der Bundesliga-Konferenz auf meinem Handy-Radio. Ich hörte das Zweinull durch Olic, das Einsnull für Gladbach und mein Jubel hallte durch die Wiesen: der Tag war so schön friedlich und warm. Die Luft roch sogar schon ein bisschen nach Europa League. Doch im Verlauf von nur zwei Minuten drehte der Wind. In Frankfurt fiel zuerst das Zweieins, dann das Zweizwei und auch Dortmund erzielte den Ausgleich. Der HSV hatte wieder die Arschlochkarte fest in der Hand, die Pferde auf der Koppel wurden langsam unruhig und ich nahm erst einmal einen kräftigen Schluck aus meiner Pulle Bier.

Die nervige „Tor-in-Dortmund“-Sabine Töpperwien trompetete, dass in Gladbach beide Mannschaften mit dem Ergebnis zufrieden seien und nichts mehr riskierten. In Frankfurt kämpften plötzlich alle Frankfurter, als ob es um ihr Leben oder die Rente von Trainer Friedhelm Funkel ging. Es war die Schlussviertelstunde, gerade da ging beim HSV in dieser Saison gar nichts – abgesehen von Gegentreffern. Doch plötzlich kam er, der heiß ersehnte „Tor in Frankfurt!“-Ruf. Trochowski trifft in der Nachspielzeit! Diesmal hatte kein Spieler die Hand Gottes, sondern der Linienrichter, der die Fahne korrekterweise unten hielt. Kein Abseits! Denn das gibt es in der 90. Minute im letzten Bundesligaspiel nicht mehr, weiß Dietmar Beiersdorfer. Der HSV brauchte also eine Regeländerung, damit er in dieser Saison noch ins internationale Geschäft stolperte – großartig!

Diese Bundesliga-Final-Hektik kümmerte die Schafe und Kühe auf der Weide wenig. Sie rupften zufrieden das Gras und machten einen harmonischen und entspannten Eindruck. Von solch einem inneren Gleichgewicht kann ein HSV-Fan momentan nur träumen.


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