Posts Tagged 'Michael Ballack'

Vom Capitano zu Käpt’n Iglo

Es wäre schön, wenn sie den Lahm als Kapitän behalten würden und den Ballack zu seiner Mutter schicken.

Die Oma meiner Freundin zur Kapitäns-Frage im DFB-Team.

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Dschafar Aladdin Özil

Gruppe C – 3. Spieltag

Ghana – Deutschland 0:1

Es war eine Szene wie aus einem Bewerbungsvideo von Michael Ballack. 1000 Zentner Wut schleuderte der DFB-Kapitän mit seinem brachialen Freistoß in das österreichische Tor. Sein Gesicht wurde so vom Druck des Schusses verzerrt, dass sich niemand gewundert hätte, wenn der Görlitzer noch an Ort und Stelle grün angelaufen wäre. Kurzzeitig war er zu dem Marvel-Comics-Helden Hulk mutiert, um mit dessen übermenschlicher Kraft seine Mission zu erfüllen: das „Viertelfinale“. Dabei standen ihm die tapferen Österreicher im Weg. Bis zu diesem Geschoss. Der Treffer bei der EM 2008 ist Michael Ballacks Denkmal. Es stammt aus der Vorrunde, nicht aus einem großen Finalspiel, was bezeichnend ist für die ungekrönte 13.

Nun hat Mesut Özil mit dem feinen Einszunull gegen Ghana ein eigenes Meisterstück geschaffen. In seinem Gesicht sehen wir nicht die urtümliche Wut des ewigen Zweiten. Seine Mimik verrät vielmehr Klugheit und Verschlagenheit. Die Augenbrauen richten sich zu den Schläfen hin bedrohlich auf wie zwei Königskobras. Darunter liegen die froschigen Augen über der gespitzten Nase. Der Mund ist offen und erinnert an einen Fisch. Özil sieht bei seinem Traumtor dem Bösewicht Dschafar, dem Zauberer aus Walt Disneys Zeichentrickfilm „Aladdin“, zum Verwechseln ähnlich. Der will das Land mithilfe einer Wunderlampe beherrschen, die aber nur ein Mensch aus einer geheimnisvollen Höhle bergen kann, der ein „ungeschliffener Diamant“ ist – und hier kommt der junge Straßendieb Aladdin ins Spiel. Er muss zahlreiche Abenteuer bestehen, um an die ersehnte Wunderlampe zu kommen.

Auch der 21-jährige möchte das Spiel beherrschen und lenken. Er ist ebenfalls auf der Suche nach der Wunderlampe oder besser dem alles entscheidenden Pass, der wie mit einem „Simsalabim!“ verschlossene Abwehrreihen öffnet. Zugleich ist er noch unerfahren und spielt mit der Begeisterung eines Vagabunden – unberechenbar: für den Gegner, aber auch für das eigene Team. In Mesut Özil vereinen sich auf wundersame Weise beide Figuren aus dem Disney-Märchen: der Bösewicht Dschafar und der Straßendieb Aladdin.
Vielleicht schafft er ja schon im Spiel gegen England das Unmögliche: einen Elfmeter, der von der Unterkante der Latte direkt ins gegnerische Tor springt. Er würde damit das englische Trauma gegen deutsche Teams gleich doppelt fortschreiben. Das Talent dazu hätte er – und auch die Frechheit.

Die Neuen

Letzte Woche stockte mir kurz der Atem. Auf kicker online las ich „Mega Deal des HSV.“ Ich dachte schon, Rafael van der Vaart kommt endlich wieder vom Bankdrücken aus Madrid zurück. Oder Khalid Boulahrouz boxt sich vom Neckar bis zur Alster durch. Nein, die Hamburger verpflichteten den wichtigsten Spieler der WM 2009: Igor Vori. – Igor Vori? WM 2009? Ich begriff langsam, dass es hier nicht um Fußball sondern um Handball ging. Denn nur die überaus erfolgreichen Handballer sind beim HSV derzeit in der Lage, Mega Deals zu stemmen.

Solche Coups gibt’s bei den Fußballern schon lange nicht mehr. Die letzte wirklich Aufsehen erregende Verpflichtung war die von Franz Beckenbauer 1980, damals zweifellos ein Schlag ins Gesicht für den FC Bayern. Aber wer – außer einer mittelgroßen Elefantenherde – kann sich daran noch zurückerinnern?

Diese Saison gibt es drei Neuzugänge: Zé Roberto von Bayern, der Bielefelder Robert Tesche und Eljero Elia von Twente Enschede, dem Verein, der in der letzten Uefa-Cup-Saison zwei gratis Lehrstunden von den Rothosen erhielt. Die Neuen sind ordentliche Verstärkungen, eine gute Mischung aus Jung und Alt, Dynamik und Technik, aber sie hauen den erwartungsfrohen Fan nicht gerade vom Hocker.

Auf einen zentralen Spielgestalter im Stile van der Vaarts verzichtet man beim HSV auch in der neuen Spielzeit. Denn bei Trainer Labbadia ist das einzigartige 4-1-3-2 System der Star. Wenn das aber nicht richtig klappt, wird an dem kreativen Loch in der Mitte wahrscheinlich am meisten herumgemeckert – und an den Leistungsschwankungen von Piotr Trochowski. Vielleicht zwitscherte es darum von den Dächern, dass Michael Ballack nach Hamburg käme – eine vollkommen abstruse Meldung. Denn der HSV will ja nächste Saison einen Titel holen; Zweiter werden kann Ballack auch mit Chelsea.

Hoffentlich reicht der Kader diese Saison aus, um dieses Ziel zu verwirklichen. Ansonsten muss Igor Vori den Handball beiseite legen und die Fußballschuhe schnüren.

Wie bei GZSZ

Vizekusen hat am Samstag beim DFB-Pokal-Finale seinem Namen wieder alle Ehre gemacht und höflicherweise den Gegner gewinnen lassen. Einen Akteur muss man aus Trainer Bruno Labbadias Elf aber lobend herausheben. Einen, der sich mit Engagement, Leidenschaft und eisernem Willen bis zum Schluss gegen die drohende Niederlage gestemmt hat: Bruno Labbadia selbst. Wie er im feinen Zwirn am Spielfeldrand entlangtigerte und sich immer wieder über Stefan Kießling ärgerte, der zum xten Mal einen Schritt zu spät kam und an der Flanke ganz elegant vorbeisegelte – Wahnsinn!

Solch vorbildlicher Einsatz wird wohl schon bald mit der Entlassung belohnt, der frühere Stürmer kommt ziemlich wahrscheinlich zum HSV. Das Verhältnis von Labbadia zu weiten Teilen der Leverkusener Mannschaft soll gestört sein. Ein Grund: Seine Ansprachen seien für die Spieler zu hart. Auch bei Gladbach wurde der raue Umgangston von Trainer Hans Meyer gerügt. Das gesamte Team schrieb einen Beschwerdebrief an den Präsidenten und Jungstar Marko Marin beklagte sich in der Presse über Meyers ironische Sticheleien. Das war dem erfahrenen Coach dann doch zuviel Kindergeburtstag und er schmiss nun nach erreichtem Klassenerhalt hin. Auch Lukas Podolski ließ sich in der Nationalmannschaft den lauten Rüffel von Michael Ballack nicht kommentarlos gefallen und wischte zurück.

Fußball-Leiter und Kapitäne haben’s heutzutage genauso schwer wie Lehrer und Eltern: Irgendwie akzeptieren die Jungen keine Autoritäten mehr. Ein Berg von Erziehungsbüchern will ratlosen Pädagogen zu Hilfe kommen: In ihnen werden Kinder als Tyrannen bezeichnet, die Disziplin wird gelobt und man ist auf der Suche nach der guten Schule. Auch Matthias Sammer fordert von jungen Spielern, dass sie Autoritäten wieder mehr anerkennen sollen – auf dem Platz, aber auch im normalen Leben. „Das hätten wir uns früher nicht getraut“, ist der Standard-Satz der älteren, fassungslosen Generation, die sich in Hierarchien gefügt hat und das auch von den Jungen erwartet. Doch die spielen die Alten gegeneinander aus, schreiben Beschwerdebriefchen, petzen bei der Presse und pinkeln den Leitwölfen ans Bein. Sie tricksen, als ob sie sich mitten in einer Daily Soap befinden, wo die Intrige ein ganz normales Mittel zum Erreichen der persönlichen Ziele ist. Die Jungen sind nämlich nicht durch moralinsaure Ratgeber sozialisiert, sondern mit „Verbotene Liebe“, „Marienhof“ und „Unter Uns“ groß geworden und haben aus den Serien viel gelernt. Nun ist es Zeit, dass Trainer, Lehrer und Eltern ihre Erziehungsschinken einmotten und umdenken.

Vielleicht treffen sich Bruno Labbadia, Hans Meyer und Michael Ballack schon bald zu einem Videoabend und schauen sich ein paar Folgen GZSZ an. Denn das nächste Beschwerdebriefchen kommt bestimmt.


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