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Fiffi im Wolfspelz

Am 20. Spieltag spielt der HSV gegen den Meister aus Wolfsburg. Die in der letzten Saison so gefürchteten Wölfe sind nach den jüngsten Misserfolgen und der Entlassung von Trainer Armin Veh ziemlich handzahm geworden. Sie treten fast schon wie verängstigte Schoßhündchen auf.
So verwundert es nicht, dass Huub Stevens – ehemals beim HSV unter Vertrag und bekannt als der „Knurrer von Kerkrade“ – im Gespräch für die Veh-Nachfolge war – und wieder einmal nicht Lothar Matthäus. Dass die Wahl letztlich auf Lorenz-Günther Köstner fiel, ist auch nahe liegend, sagt er doch von sich selbst: „Ich bin Oberfranke, ich bin knorrig.“

Derart auf den Hund gekommen folgen die Fußball-Fans in der VW-Stadt vielleicht schon bald einem Trend aus Großbritannien. Auf der Insel benennen nämlich immer mehr Hundebesitzer ihre Vierbeiner nach berühmten Fußballern, wie das Blog Zum runden Leder berichtet – die Kommentare zu diesem Artikel und beigefügten Fotos sind übrigens großartig. Spitzenreiter ist der Name „Rooney“, der vor allem bei Haltern von Staffordshire Terriern beliebt ist. Doch auch Gerrard, Terry, Owen, Drogba, Giggs und Cristiano Ronaldo hören aufs Wort, wenn Herrchen sie ruft – oder auch nicht. Man sollte sich also nicht wundern, wenn demnächst in den Straßen Wolfsburgs Kommandos wie „Grafite, komm her!“ oder „Dzeko, sitz!“ laut werden. Gemeint sind sicherlich nicht die Fußballstars.

Auch unter den Bundesligaprofis gibt es Hundeliebhaber. Miroslav Klose zum Beispiel erfreut sich an einem Dobermann und Hertha-Keeper Jaroslav Drobny ist sein süßer Mischling regelrecht zugesprungen, als er in Athen eine Mülltonne geöffnet hatte. Einer der größten Tierfreunde der Liga war sicherlich der verstorbene Nationaltorwart Robert Enke, der sich für den Tierschutz stark gemacht hat. Seine Frau Teresa und er besaßen einen halben Zoo: insgesamt neun Hunde, zwei Katzen und ein Pferd. Das Ehepaar hatte diese Tiere aus Portugal, Italien und Spanien nach Deutschland gebracht. Für ein Werbeplakat der Organisation PETA, die der Torhüter jahrelang unterstützte, ließ Enke sich in seinem Kasten mit einer ganzen Rasselbande von Hunden ablichten. Lustigerweise ist ausgerechnet der Schlussmann auf diesem Bild am meisten mit Schlamm eingesaut.

Der Dortmunder Stürmer Nelson Valdez hat kürzlich ebenfalls ein großes Herz für Tiere bewiesen. Als er von der BVB-Weihnachtsfeier zurückkam, erlebte er eine böse Überraschung. Sein Haus stand in Flammen. Trotzdem versuchte er, seinen Golden Retriever Arami aus dem brennenden Wohnzimmer zu bergen, was aber wegen der Hitze und dem beißenden Qualm nicht mehr möglich war. Der Paraguayer erlitt bei seinem mutigen Rettungsversuch eine Rauchgasvergiftung und musste für eine Nacht ins Krankenhaus. Der neunjährige Hund konnte später aus dem Feuer geborgen werden, erlag aber in der Tierklinik seinen Brandverletzungen. Beim Verfolgerduell gegen den HSV hat Arami aber sicher aus dem Hundehimmel zugeschaut und ganz aufgeregt mit dem Schwanz gewedelt, als sein Herrchen den Siegtreffer schoss.

Die Hamburger machen es nun hoffentlich besser als beim letzten Spiel und zeigen den Wolfsburgern diesmal wo es langgeht. Bei Vierbeinern helfen vor allem zwei Eigenschaften, das lehrt mich frischgebackenen Hundebesitzer gerade unsere Terriermischlingshündin Elly: Ruhe und Konsequenz.

Hamburg, ein Wintermärchen?

Wir schreiben das Jahr 2015. Ein HSV-Fan liest seinem vierjährigen Sohn eine Gutenachtgeschichte vor. Der Kleine ist schon fast eingeschlafen und kuschelt selig mit seinem Stofftier, dem Vereins-Maskottchen Dino Hermann. Das Märchen endet mit den Worten: „Und so konnten die Rothosen in der Saison 09/10 zum letzten Mal gewinnen.“, worauf der Sohnemann im Halbschlaf murmelt: „Du, Papa. Wie ist das eigentlich zu gewinnen?“

Langsam kommt man sich als Anhänger des HSV vor wie dieser kleine Nachwuchsfan. Den letzten Sieg in der Liga gab es vor sieben Spielen – gegen die Unterirdischen aus Berlin. Das ist übrigens zwei Monate her, fühlt sich aber wie eine Ewigkeit an. Noch können wir uns an das Ergebnis erinnern, an den kuriosen Spielverlauf und das skurrile Seehundballett von Ersatzkeeper Sascha Burchert. Doch beinahe hat selbst der eingefleischte Rauten-Supporter vergessen, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Verein in der höchsten deutschen Spielklasse drei Punkte holt.

Zwar kam am letzten Mittwoch bei dem anständigen Zweizunull gegen Rapid Wien in der Europa League ein leichtes Hochgefühl auf. Aber seien wir ehrlich, es waren wirklich schwache Gegner. Die Österreicher sind in der ersten Hälfte nicht in Tritt gekommen – mit Ausnahme der ersten 60 Sekunden, wie Rapid-Trainer Peter Pacult mit typischem Wiener Schmäh und charmanter Selbstironie nach dem Spiel scherzte. Leider konnten die Hamburger den Schwung aus dem internationalen Wettbewerb nicht in die Bundesliga mitnehmen. Gegen den Konkurrenten Hoffenheim blieb in bester Huub Stevens-Manier hinten wie vorne die Null stehen. Das Spiel der Hanseaten will im Moment einfach nicht rund laufen. Nicht nur weil die Schlüsselspieler Zé Roberto und Paolo Guerrero immer noch auf der Verletztenliste stehen. Auch die eingesetzten Eljero Elia und Mladen Petric sind angeschlagen und noch nicht vollkommen fit.

In der nächsten Partie trifft der HSV auf die unberechenbaren Nürnberger. Die kämpften sich im Spiel gegen Wolfsburg zum Sieg, um sich in der Woche darauf von Dortmund nullzuvier entzaubern zu lassen. Genauso wechselhaft ist momentan die Situation bei Bruno Labbadias Team. In der Bundesliga befinden sich die Hamburger drei Punkte entfernt von Platz zwei, genauso viele Zähler sind es bis zum zehnten Rang. Noch ist bis zur Winterpause alles möglich: Tabellenspitze oder Mittelfeld. Und noch können wir auf ein glückliches Ende des Hinrundenmärchens 2009 hoffen.


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