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Farbenspiele

Zehn Paar schwarzgelbe Ringelsocken und die Südtribüne, eine 25.000 Mann starke „Wand“, ebenfalls im grellen Gelbton: Beim Auswärtsspiel in Dortmund ging es farbenfroh zu. Selbst der neue Derbystar-Ball strahlte nicht nur weiß, sondern – passend zum BVB-Hauptsponsor – purpur.

Dem HSV wurde dieses Spiel am Ende doch zu bunt. Der Verein ist bekanntlich ein Vertreter zurückhaltender Töne, vor allem das Blau präsentiert er mit kühler Eleganz. Angesichts der drängenden schwarzgelben Dortmunder aber wirkten die Hamburger wie festgeklebt. Vielleicht hatte das etwas mit dem ehemaligen Sponsor der Westfalen zu tun. Deutschlands bekanntester Klebstoffhersteller weist bekanntermaßen dieselbe Farbkombination auf.

So lässt sich zumindest die zeitweilige Hirnverkleisterung von Dennis Aogo erklären, die zu einer verunglückten Vorlage zu Gegenspieler Nelson Valdez führte. Diesmal dachte der Chancentod aus Paraguay nicht lange nach und erzielte entgegen seiner sonstigen Gewohnheit ein Tor, das Tor des Tages. Hätte man vorher auf einen Erfolg des Stürmers gesetzt, man hätte sicherlich einen ordentlichen Wettbonus (Anzeige) einstreichen können. Mit diesem Sieg zieht Dortmund jedenfalls am HSV vorbei, dem wieder einmal nur der ungeliebte fünfte Platz bleibt.

Aus dem Europa League Abonnement kommen die Rothosen anscheinend nicht so leicht heraus. Für die Vorstellung von Bruno Labbadias Team findet Frau Pleitegeiger deftige Worte und hat dabei einen völlig anderen Farbton im Sinn: „Das war, Entschuldigung, aber das muss auch mal gesagt werden, schlichtweg Scheiße!“

Ein Oranje soll nun einen frischen Akzent im Hamburger Sturm setzen. Zum Entsetzen meiner Freundin, die diese Farbe abgrundtief hasst. Ruud van Nistelrooy wurde am Wochenende aus Madrid geholt, um die Tradition der Niederländer an der Alster fortzusetzen. Die Kollegen im Angriff Tunay Torun und Marcus Berg dürfen es sich schon einmal auf der Auswechselbank bequem machen. Ich bin mir sicher, „Van the man“ wird für die Hanseaten genauso wichtig wie Landsmann Arjen Robben für die Münchener Bayern. Die funkeln in der Offensive mittlerweile wieder ganz respektabel. Allein Trainer Louis van Gaal war in der Begegnung gegen die Weserlinge etwas ungeschickt. Nach Robbens Latte-Unterkante-Freistoßtor ließ er sich vor Freude auf das Grün fallen und schürfte sich dabei die Hand auf. Auch eine Form, sich zum Bayern-Rot zu bekennen.

Mann oder Maus

Egal, ob man zuerst mit dem linken Fuß aufgestanden ist, einen rabenschwarzen Tag erwischt oder aufgrund einer endlos langen Invalidenliste nur noch mit einer kümmerlichen B-Elf auflaufen kann: Es gibt Spiele, die muss man als Topmannschaft einfach gewinnen – egal, wie. Das galt letzten Sonntag für den Hamburger SV, da noch Tabellendritter, gegen den Vorletzten, den VFL Bochum. Zur Erinnerung: Auch in schlechten Zeiten prangt auf dem HSV-Trikot ja ein Stern über der Raute – für drei gewonnene Meisterschaften seit Gründung der Bundesliga. Und der müsste doch jedem Hamburger die Brust so breit anschwellen lassen, dass da keine Rennmaus wie Stanislav Sestak vorbei kommt, sollte man meinen. War aber trotzdem so, da Joris Mathijsen den Zweikampf verstolperte. Auch für den Torschützen Dennis Grote hatte sich im Strafraum keiner verantwortlich gefühlt. So verlor der Favorit nullzueins im eigenen Stadion gegen die ewig-graue Maus Bochum. Mit Verlaub: Wie armselig ist das denn?

Die Hanseaten warten nun schon fünf Liga-Spiele lang auf einen Sieg. Die beiden Unentschieden gegen Leverkusen und Schalke waren ja noch akzeptabel, obwohl man auf Schalke wirklich hätte gewinnen müssen. Aber seit dem Halloween-Desaster gegen Gladbach scheinen endgültig alle Dämme in der HSH-Nordbank-Arena zu brechen. Gerade in den Partien mit unterklassigen Gegnern wie Gladbach, Hannover und Bochum, lässt der Sportverein die Punkte liegen, wobei der Spielverlauf dieser Begegnungen ein gemeinsames Muster aufweist: Starker Beginn mit gefühlten 90% Ballbesitz. Und dann fehlt vor dem Tor die Durchschlagskraft, die Cleverness, das Glück. Der HSV versäumt es einfach, die Falle zuschnappen zu lassen und das Spiel in der ersten Hälfte zu entscheiden, was sich dann bitter rächt. Denn in der zweiten Halbzeit bringt er gar nichts mehr zustande und gerät meist ab der 60./65. Minute ordentlich unter Druck. Wie in der vorangegangenen Spielzeit können die Hamburger gegen Ende keine Kraftreserven mehr mobilisieren – der Akku ist mausetot. Da fangen selbst Bochumer Mäuse an auf den Tischen zu tanzen und am Ende ist das Weh-Geschrei an der Alster groß.

Nach der zweiten Heim-Pleite in Folge ist der ambitionierte Rautenclub zum ersten Mal wieder aus der Championsleague gerutscht. Fünfter: das heißt schon wieder nur Europa-League. Kleiner Trost: das kann sich beim derzeitigen Tabellenstand noch ändern, oben liegen die Mannschaften ja dicht beieinander. Zumal die Rothosen in den nächsten Wochen wieder gegen attraktive Gegner spielen dürfen: gegen die drängelnden Mainzer und gegen Hoffenheim. Und vielleicht schaffen sie es dann, endlich wieder gut zu spielen. Zeit wär’s: Am letzten Spieltag vor der Winterpause gibt es nämlich noch eine Rechnung zu begleichen – gegen die grünen, nach Fisch stinkenden Lieblingsfeinde. Und die sind keine grauen Mäuse.


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