Posts Tagged 'Franck Ribéry'

Neues aus der Nordbank-Klinik

Der HSV kann es also doch noch: zu Null spielen. Seit fast 6 Monaten ist den Hamburgern dieses Kunststück in der Bundesliga nicht mehr gelungen – zuletzt bekamen sie Anfang April gegen Hoffenheim keinen einzigen Gegentreffer und gewannen. Letzten Samstag dann endlich wieder ein abgezocktes Einsnull. Und es war kein Zufall, dass dieses Ergebnis gerade gegen den FC Bayern München erzielt wurde. Denn wenn die Hamburger in letzter Zeit auf die Bayern trafen, sah das meist wie folgt aus: Wenig Tore und der HSV ging nicht als Verlierer vom Platz – die letzten sechs Begegnungen blieb man ungeschlagen. Das Spiel vom Wochenende war also ein fast normaler Nord-Süd-Gipfel, der ja eine lange, legendenreiche Tradition hat.

Das Interessante an dem aktuellen Aufeinandertreffen aber ist die Einsicht, dass Trainer Louis van Gaal kein Bayer, sondern Niederländer ist. Er opfert die bayerische „Mia san mia“-Mentalität der Philosophie eines flexiblen Spiel-Systems. Eljero Elia auszuschalten, ist nur eine Maxime in diesem Konzept. Da dieser in der ersten Hälfte ungewohnt als zweite Spitze neben Mladen Petric auftauchte, wurde Philipp Lahm ins rechte defensive Mittelfeld beordert. Nach Demels Verletzung ließ Labbadia den jungen Holländer wieder gewohnt auf der linken offensiven Außenbahn spielen – und Lahm fand sich plötzlich als rechter Verteidiger wieder. Auf dieser Seite brach in der 72. Minute nicht Elia sondern Zé „tut Bayern weh“ Roberto durch, der dann Aushilfs-Verteidiger Mario Gomez umkurvte und einmal an der gesamten Bayern-Abwehr vorbei zu Petric passte – Tor!

Beide Trainer geizen also nicht mit taktischen Finten. Am Wochenende wurde aber deutlich, dass es hierzulande wenig sogenannte polyvalente Spieler gibt. Lahm beispielsweise ist ein schlechter defensiver Mittelfeldspieler, ein durchschnittlicher rechter und ein guter linker Verteidiger. Und Elia – er kann keinen Stürmer ersetzen. Marcus Berg kriegt leider noch nicht so richtig die Kurve, besser wäre, dem Single-Angreifer Petric einen erfahrenen Partner zur Seite zu stellen. Einen, der weiß, wo das Tor steht: zum Beispiel Ebi Smolarek. Nur Jérome Boateng kann scheinbar in der Abwehr-Kette alles spielen und macht links wie rechts eine starke Figur. Aber häufige Positionswechsel sind meiner Meinung nach für die meisten Vereine mit Vorsicht zu genießen; eine starke Rotation dürfte für den HSV aufgrund seiner dünnen Personaldecke immer schwieriger werden.

Nach den Tiefschlägen in der Europa League gegen Rapid Wien und im DFB-Pokal gegen Osnabrück ist Hamburg wieder ganz oben und verteidigt die Tabellenspitze. Aber der Verein hat höchstwahrscheinlich einen weiteren Invaliden zu beklagen: Guy Demel schied am Samstag mit Verdacht auf Bänderriss aus und bald könnte an der Alster die Liste der Verletzten länger als die der Spielfähigen sein. Doch selbst daraus ließe sich Profit schlagen. Präsident Bernd Hoffmann könnte zum Beispiel eine Fernseh-Soap produzieren: „Verletzt in Hamburg“ oder die „Nordbank-Klinik“. Darin tauschen die Kreuzband-Gang Paolo Guerrero, Colin Benjamin und Alex Silva ihre bunten Krücken aus. Marcell Jansen sitzt auf gepackten Koffern und hofft jeden Tag auf seine Entlassung, die sich aber immer wieder hinauszögert. Bastian Reinhardt träumt des Nachts von seinem Comeback, das niemand mehr für möglich hält, am wenigsten sein gebrochener Mittelfuß. Deshalb hat er vorsichtshalber schon mal eine von Alex Silvas Krücken versteckt. Und Guy Demel schmiedet schreckliche Rachepläne gegen Franck Ribéry.
Wehe, wenn die Invaliden wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden…

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Aus dem Urlaub 1

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Panel 1: “ Ich habe kein gutes „Feeling“ bei van Gaal.“

Panel 2: „Willkommen im Club!!“

Quelle: Marca, 2.09.09

Große Sprünge

Große Sprünge haben sie am Wochenende gemacht – Bayerns Scarface Franck Ribéry und Wolfsburgs Diego-Ich-trete-keinen-Schweizer Benaglio. Beide Show-Einlagen sorgten für reichlich Gesprächsstoff am 5. Spieltag der Fußball Bundesliga. In der Zwischenzeit lobte Udo Lattek den „coolen HSV“, der sich langsam an Platz eins der Tabelle gewöhnt.

Anfangs konnte ich die Situation gar nicht richtig einordnen. Fakt war: Der launische Franzose sprang nach seinem Zucker-Freistoß gegen Dortmund den Trainer Louis van Gaal an. In der Pressekonferenz kommentierte der Fußball-Lehrer die unerwartete Aktion mit trockenem Humor: Man habe gesehen, dass der Spieler den Trainer liebt und es sei für ihn nicht leicht gewesen, stehen zu bleiben. Ribérys Freudenhopser war also einerseits ein Symbol für die endlich erreichte Harmonie zwischen Super-Spieler und Super-Trainer – nachdem der Ballzauberer moniert hatte, dass ihm das „Feeling“ und die Leichtigkeit unter dem strengen Niederländer fehle. Andererseits wirkte Ribéry bei seinem Sprung wie ein streunender Straßenköter, in der Aktion steckte eine gute Portion Wildheit und Gewalt. Aber so leicht legt man den guten Franck nicht an die Kette, auch wenn ein Trainer noch so effektiven System-Fußball spielen lässt. Der Sprung vermittelte dem Zuschauer vor allem eines: Die Harmonie zwischen beiden Alphatierchen ist wohl eher ein aus der Vernunft geborener Burgfriede, denn eine Herzensangelegenheit.

Vorerst ist Ruhe im Karton – zumindest bis Florentino Perez von Real Madrid das nächste Mal mit seinen Millionen winkt. Bayern München wird für Ribéry höchstwahrscheinlich wirklich nur eine Zwischenstation. Da ist es plausibel, dass er selbst in seiner dritten Bundesliga-Saison noch kein Wort Deutsch spricht. Im Gegensatz zum Niederländer Eljero Elia vom HSV: Der kann bereits nach nur fünf Spieltagen „Dankeschön“ und „Bitteschön“ sagen – er hat eben beides: Fußball- und Sprach-Talent.

Auch Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio tat vergangenen Samstag einen großen Sprung. Nach seinem kopflosen Ausflug aus dem Strafraum half ihm nur noch ein angedeuteter Kung Fu Trick. Doch der Schweizer hatte gesehen, dass ihm der Leverkusener Stürmer Eren Derdiyok – ebenfalls ein Schweizer – entgegenkam. Und da es auf der Welt nicht so viele Schweizer gibt oder Benaglio bei Länderspielen wohl Derdiyoks Zimmergenosse sein muss, wie Manni Breuckmann mutmaßte, zog der Torhüter seine Sense zurück, sodass der Stürmer kaum getroffen wurde. Trotzdem sah die Luftgrätsche ziemlich brutal aus. Einen Tag später wurde beim Fußball-Stammtisch „Doppelpass“ im DSF diskutiert, ob Kung Fu auch Kung Fu ist, wenn der Gegner nicht oder nur schwach getroffen wird und zudem der Torhüter nicht der letzte Mann ist. Meiner Meinung nach ist der Keeper außerhalb des Strafraums wie ein normaler Feldspieler zu behandeln; und wenn ein Feldspieler solch eine Benaglio-Flug-Grätsche ansetzen würde, würde er – egal, ob er den Gegner trifft oder nicht – wegen gefährlichen Spiels des Feldes verwiesen werden. So hätte man argumentieren können, wenn diese Sendung nicht nur eine Alibi-Veranstaltung mit abschließendem Weißbier-Trinken wäre.

Am selben Abend hofften viele Menschen in Deutschland, dass auch Frank-Walter Steinmeier zum Ribéry-Köter mutiert und als böser Bube die Merkel anspringt. Doch dafür hat der SPD-Politiker wohl noch nicht genug Narben.


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