Posts Tagged 'Fechten'

Touché

Gruppe C – 1. Spieltag

Algerien – Slowenien 0:1

Gruppe D – 1. Spieltag

Serbien – Ghana 0:1

Deutschland – Australien 4:0

Im Grunde hat erst mit dem leidenschaftlichen Auftritt der DFB-Elf die WM richtig begonnen. In ihrem Auftaktspiel gegen Australien traf sie die Zuschauer beim Public Viewing oder zuhause vor dem Fernseher mitten ins Herz. Auch der ZDF-Kommentator Béla Réthy, der in seiner Laufbahn schon so manchen deutschen Fehlpass oder Stockfehler hat kommentieren müssen, war berührt. Er suchte nach einem Vergleich, um das, was er auf dem Spielfeld sah, einordnen zu können.
Die deutsche Mannschaft erinnere ihn an das Weltmeister-Team von 1990 mit Andreas Brehme und Pierre Littbarski auf den Außenbahnen. Das seien auch Persönlichkeiten gewesen, die den Ball mit feiner Technik kontrollieren konnten – ähnlich wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller und Mesut Özil.

Doch der Vergleich hinkt. Die Protagonisten des italienischen Sommers anno 90 – zu denen man neben den bereits Genannten noch Lothar Matthäus und Guido Buchwald hinzufügen muss – bildeten zwar ein Team, das seine Qualitäten hatte und weit entfernt war von dem scheußlichen Rumpelfußball der Rest-90er und beginnenden Nuller-Jahre. Auch sie verfügten über Disziplin, Technik und eine eindrucksvolle Dynamik. Aber sie waren kampferprobte Haudegen, die schon manche Schlacht geschlagen hatten, abgeklärt und cool – und vor allem nicht mehr die Jüngsten.

Das aktuelle Löw-Team wirft dagegen das in die Waagschale, womit wir schon in Oslo Europameister im Singen wurden: die Jugend, das Unverbrauchte und Unvorhersehbare.
Wurde der deutsche Fußball von der ausländischen Presse traditionell mit den Metaphern „Panzer“, „zertrümmern“, „Maschinen“ und „Roboter“ belegt, erinnert das deutsche Spiel aus dem Jahr 2010 an ein filigranes Duell im Florett-Fechten. Der Ball wird in den eigenen Reihen so lange verschoben, bis man an eine freie, verwundbare Stelle des Gegners gelangt, in die man dann blitzartig hineinstoßen kann: Touché!
Diese kontrollierte Kreativität ist so im deutschen Fußball bisher noch nicht aufgetaucht. Und auch die Variabilität, mit der das Team zu überraschen weiß, ist unvergleichlich. Philipp Lahm hat recht: Er spielt in der qualitativ besten und geistreichsten DFB-Elf.
Nur Mario Gomez hat den Zeitgeist verpasst. So tollpatschig wie er über den Platz stolpert, wirkt er wie ein Relikt aus den späten 90ern. Dahin sollte man ihn auch wieder zurückbeamen. Zeitgemäße Stürmer haben wir ja genug.

Advertisements

Sozial

Beliebteste Artikel

Archiv

Hartplatzhelden unterstützen
Advertisements