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November ist ein Blödmann

Als HSV-Fan kommt man sich in letzter Zeit vor wie der kleine Depri-Knilch aus den legendären TV-Spots von Multi-Sanostol. In den Filmchen schlurft ein antriebsschwacher Bengel durch den Fernseh-Herbst der 80er Jahre. Einmal hat er einen scheußlichen Gießkannen-Regen zu überstehen, der einzig auf ihn herabregnet; dazu peitscht ihm der Wind fürchterlich um die Ohren, wirbelt welkes Laub auf. In einer anderen Version verlässt das kleine Pflänzchen gerade das Schulhaus und bleibt kraftlos am Eingang stehen. In beiden Spots wird der bemitleidenswerte Protagonist von einer abstoßend vitalen und lärmenden Kinderhorde an den Rand gedrückt und links liegen gelassen. Sie tragen definitiv keine schwarzgelben BVB-Schals, sind aber trotzdem unausstehlich.
Ein Off-Sprecher kommentiert die Tragödie:

„Wenn ein Kind häufig lustlos ist, wenig Appetit hat und oft erkältet ist, braucht es Multi-Sanostol.“

Die kurzen Werbestreifen erinnern an den Stil von Fernseh-Klassikern wie Aktenzeichen XY-ungelöst oder Der 7. Sinn. Sie sind halb-dokumentarisch und wirken – wohl ungewollt – apokalyptisch. Das Omega-Kind stapft desillusioniert und schwächlich über Gottes tristen Novemberacker, während der Alpha-Nachwuchs unbeirrt voranschreitet und sich mit kräftigen Ellenbogen Platz verschafft.

Auch der HSV hat in den vergangenen Wochen den ein oder anderen Schlag von der Konkurrenz mitbekommen und ist gerade damit beschäftigt, seine Wunden zu lecken und die blauen Flecken auszukurieren. Nach der Niederlage gegen Hannover möchte man die Frage, wer denn nun der große und wer der kleine HSV ist, lieber nicht stellen. Die Antwort wäre für den Bundesliga-Dino ziemlich peinlich, schrumpft er doch gerade in seinem Ansehen in der Liga auf Erbsengröße ein.

Trainer Armin Veh verkündet schon am Tag nach der Auswärtspleite, er sei mit der leidenschaftlichen Einstellung seines Teams zufrieden. Seine Elf habe überzeugend nach vorne gekämpft. Dieses Lob entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn man sich das Bild des ramponierten Kapitäns vor Augen führt. Heiko Westermann hat einen Cut unter dem rechten Auge, ein respektables Andenken aus der letzten Schlacht, das jedem Boxer Ehre machen würde. Er hat famos gekämpft, letzten Endes aber vergeblich. Nun hat er eher einen Finger voll Bepanthen nötig als Multi-Sanostol.


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