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Ganz großes Theater

Beim HSV wird gerade ganz großes Theater gespielt. Man weiß zwar nicht genau, ob es sich dabei um eine Komödie oder eine Tragödie handelt, doch für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Es gibt Intrigen und Ränke, ein Hauen und Stechen – nicht gegen Gegner, sondern gegen die eigenen Mannen. Der Verein nennt das „Vorbereitung auf die nächste Bundesligasaison.“ Die Konkurrenz darf sich entspannt zurücklehnen – von diesem HSV droht keine Gefahr.

Im Mittelpunkt stehen zwei ungleiche Helden: der impulsive Präsident Bernd Hoffmann und der introvertierte Sportchef Dietmar Beiersdorfer, der letzte Woche aus dem Amt gehievt wurde. Nachdem der ganz große Wurf auch dieses Mal nicht gelang, wollte der Präsident auch in sportlichen Dingen ein Wörtchen mitreden. Ist doch klar, was dem HSV fehlt! Ein ordentlicher Sechser. Mit dem Sechser hat Hoffmann schließlich schon zig Deutsche Meisterschaften gewonnen – beim Bundesliga Manager-Spiel auf der Playstation. Beiersdorfer gingen Hoffmanns Playstation Tipps zu weit, doch er verlor den Machtkampf gegen den Gegner im eigenen Lager. Damit ist die Aufarbeitung der letzten Saison für die Hamburger wohl abgeschlossen.

„Das ist nicht mehr mein HSV. Der HSV hat seine Seele verkauft!“, trauert der ausgebotete Sportchef in der Presse und man spürt, dass ihm die Raute im Herzen blutet. Er richtet sich mit diesen Worten auch an eine große Fraktion im Verein, die er stets hinter sich wusste: die HSV Supporters. Ich bin gespannt, wie sie sich in Zukunft gegenüber dem Präsidenten, dem Trainer und dem neuen Sportchef verhalten.

In diese Schlangengrube steigt nun der neue Trainer Bruno Labbadia herab, selbst bekannt als harter Hund. Er wollte mit Leverkusen heraus aus der Komfortzone. Solch eine Zone wird er in Hamburg vergeblich suchen. Denn da wird ja momentan zuerst großes Theater und dann vielleicht auch ein bisschen Fußball gespielt. Hoffentlich wünscht sich Labbadia nicht bald das Leverkusener Phlegma und die Komfortzone zurück.

Herr Labbadia, kommen Sie zum HSV?

Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert!

Bruno Labbadia, neuer Trainer beim HSV?

Wie bei GZSZ

Vizekusen hat am Samstag beim DFB-Pokal-Finale seinem Namen wieder alle Ehre gemacht und höflicherweise den Gegner gewinnen lassen. Einen Akteur muss man aus Trainer Bruno Labbadias Elf aber lobend herausheben. Einen, der sich mit Engagement, Leidenschaft und eisernem Willen bis zum Schluss gegen die drohende Niederlage gestemmt hat: Bruno Labbadia selbst. Wie er im feinen Zwirn am Spielfeldrand entlangtigerte und sich immer wieder über Stefan Kießling ärgerte, der zum xten Mal einen Schritt zu spät kam und an der Flanke ganz elegant vorbeisegelte – Wahnsinn!

Solch vorbildlicher Einsatz wird wohl schon bald mit der Entlassung belohnt, der frühere Stürmer kommt ziemlich wahrscheinlich zum HSV. Das Verhältnis von Labbadia zu weiten Teilen der Leverkusener Mannschaft soll gestört sein. Ein Grund: Seine Ansprachen seien für die Spieler zu hart. Auch bei Gladbach wurde der raue Umgangston von Trainer Hans Meyer gerügt. Das gesamte Team schrieb einen Beschwerdebrief an den Präsidenten und Jungstar Marko Marin beklagte sich in der Presse über Meyers ironische Sticheleien. Das war dem erfahrenen Coach dann doch zuviel Kindergeburtstag und er schmiss nun nach erreichtem Klassenerhalt hin. Auch Lukas Podolski ließ sich in der Nationalmannschaft den lauten Rüffel von Michael Ballack nicht kommentarlos gefallen und wischte zurück.

Fußball-Leiter und Kapitäne haben’s heutzutage genauso schwer wie Lehrer und Eltern: Irgendwie akzeptieren die Jungen keine Autoritäten mehr. Ein Berg von Erziehungsbüchern will ratlosen Pädagogen zu Hilfe kommen: In ihnen werden Kinder als Tyrannen bezeichnet, die Disziplin wird gelobt und man ist auf der Suche nach der guten Schule. Auch Matthias Sammer fordert von jungen Spielern, dass sie Autoritäten wieder mehr anerkennen sollen – auf dem Platz, aber auch im normalen Leben. „Das hätten wir uns früher nicht getraut“, ist der Standard-Satz der älteren, fassungslosen Generation, die sich in Hierarchien gefügt hat und das auch von den Jungen erwartet. Doch die spielen die Alten gegeneinander aus, schreiben Beschwerdebriefchen, petzen bei der Presse und pinkeln den Leitwölfen ans Bein. Sie tricksen, als ob sie sich mitten in einer Daily Soap befinden, wo die Intrige ein ganz normales Mittel zum Erreichen der persönlichen Ziele ist. Die Jungen sind nämlich nicht durch moralinsaure Ratgeber sozialisiert, sondern mit „Verbotene Liebe“, „Marienhof“ und „Unter Uns“ groß geworden und haben aus den Serien viel gelernt. Nun ist es Zeit, dass Trainer, Lehrer und Eltern ihre Erziehungsschinken einmotten und umdenken.

Vielleicht treffen sich Bruno Labbadia, Hans Meyer und Michael Ballack schon bald zu einem Videoabend und schauen sich ein paar Folgen GZSZ an. Denn das nächste Beschwerdebriefchen kommt bestimmt.


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