Posts Tagged 'Bruno Labbadia'

Halslose Argumente

Armin Veh, derzeitiger Übungsleiter beim HSV, bringt das Hamburger Umfeld durch einen eindeutig zweideutigen Spruch durcheinander. Er hat einen Hals, sagte er nach dem unglücklich verlorenen Spiel gegen die Weserlinge. Diese Aussage sollte man ebenso wörtlich nehmen wie dereinst Bruno Labbadias legendäres Zitat, er wolle eine Serie starten. Ein Wunsch, der ebenso verpufft ist wie Labbadias Kariere an der Alster. Bisher hat man weder in Potsdam-Babelsberg noch in Hollywood je etwas von dem smarten Darmstädter gehört. Vielleicht ist das besser so.

Mit dem Bekenntnis zu seinem Hals schärft der knurrige Veh hingegen das eigene Profil. Denn im Fußballgeschäft scheinen gerade die Spieler in Mode zu sein, die auch ohne dieses Körperteil eine gute Figur abgeben. Mühelos hätte man bei der WM in Südafrika ein Team der Halslosen zusammenstellen können. Der argentinische Abwehrspieler Jason  Gutierrez, er ähnelt Averell, dem längsten und dümmsten der Dalton-Brüder aus den Lucky Luke Comics,  trägt seinen Kopf ebenso übergangslos auf der Schulter wie Mexikos Stürmer Cuauhtémoc Blanco, der schon allein durch seinen Vornamen für große Verwirrung in den gegnerischen Abwehrreihen sorgt. Gleich daneben Im Angriffszentrum wäre noch Platz für Wayne Rooney, den unerzogenen Bullterrier, dem man schnell ein Fußballtrikot übergestreift hat, damit er auf dem Platz nicht nackt herumrennen muss.  Betreut und nach vorne dirigiert würde das ungewöhnliche Team von einem weiteren Kampfbullen, Diego Armando Maradona. Ihn hat man allerdings in feines Zwirn gekleidet, das knitterfrei ist und genug Bewegungsfreiheit lässt für wütende Derwisch-Tänze.

Die Forderung nach einem Team der Halslosen ist natürlich haltlos. Denn dieses Körperteil bringt Armin Veh ungeahnte Wettbewerbsvorteile. In schwierigen Zeiten kann er daran abmessen, bis wohin ihm das Wasser steht. Oder er nimmt sein Schicksal selbst in die Hand und zieht den Hals gerade noch mal so aus der Schlinge.

Nach der unnötigen Niederlage gegen den Erzrivalen von der Weser interessierte sich Herr Veh noch auf dem Platz ganz besonders für den schmalen Hals von Piotr Trochowski. Den hätte der schlecht gelaunte Augsburger nämlich dem sensiblen Mittelfeldspieler am liebsten umgedreht.

Meine Mutter hätte für dieses Durcheinander beim HSV nur ein Lächeln übrig und den Spruch: „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig isch.“

Vielleicht fehlen den Hamburgern einfach ein paar schwäbische Weisheiten und das dazugehörige Augenzwinkern.

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Vom HSV zu HBO

Pünktlich zur Oscar-Verleihung am Wochenende informiert uns Bruno Labbadia über seine ambitionierten Pläne für den Rest der Saison. Er möchte eine Serie starten.
Der gute Bruno scheint ja in seinem Job als HSV-Übungsleiter nicht sonderlich ausgelastet zu sein – oder vielleicht braucht er nur einen erfüllenden Ausgleich zu der ziemlich frustrierenden Spielzeit seines Teams. Jedenfalls sorgte die Meldung, dass der Trainer ins Fernsehgeschäft einsteigen will, für reichlich Überraschung. Bisher sind noch keine Details über Genre und Handlung des Projekts an die Öffentlichkeit gedrungen, was Anlass zu waghalsigen Spekulationen gibt.

Es ist kein Geheimnis, dass der Zustand der HSV-Truppe sich weiterhin blendend für Zombieszenarien und Splatterfilme eignen würde. Untote können die Hamburger derzeit verkörpern wie kein zweites Team, das liegt ihnen quasi im Blut. Ab der 65. Spielminute bräuchten sie nicht einmal mehr den orientierungslos herumschlurfenden Ghul zu spielen. Da ihnen im letzten Drittel obligatorisch alle Lebensgeister entweichen, würden sie mit ihrer Rolle regelrecht verschmelzen.
Etwas appetitlicher wäre eine Vampir-Romanze, in der die Hanseaten schon 23 Jahre lang nach einem Titel dürsten. Doch immer, wenn es darauf ankommt, fehlt ihnen der Biss oder sie rutschen auf einer Papierkugel aus – das wiederum zweifellos ein Stoff für eine Tragikomödie.

Das lustlose Gekicke der Hamburger können viele momentan sowieso nur noch mit schwarzem Humor ertragen, weshalb sich auch eine Bestatter-Serie anbieten würde: das Vorbild hierfür wäre Six feet under. Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Bruno Labbadia würden sicherlich die Rolle der Totengräber mit viel Pietät ausfüllen und den Bundesliga-Dino garantiert professionell unter die Erde bringen. Zu Beginn jeder Folge könnte man einen besonders dummen HSV-Patzer zeigen, der direkt zu einem gegnerischen Tor führt, und den Verein damit einen Schritt näher an den Abgrund bringt. Leider gibt es bei diesem Setting kein Happy End, sondern nur die Einsicht, dass jeder mal ins Gras der Nordbank-Arena beißen muss.

Von Liebe, Intrigen und gerissenen Peroneus-Sehnen würde eine Krankenhaus-Schmonzette erzählen mit dem Titel Neues aus der Nordbank-Klinik. Professor Labbadia – stets von der vollen Auslastung seiner Betten erfreut – sagt nach jeder schiefgegangenen Operation optimistisch: „Ich nehme viel mit.“ Na hoffentlich auch Schere und Skalpell. Das Haus beherbergt auch einen ganz prominenten Kranken: Den niederländischen Patienten – Ruud van Kuschelrooy. Der hat mit Abstand die längsten Besuchszeiten und wird von Invaliden, Besuchern, Ärzten, Krankenschwestern, Zivis, Putzfrauen und Technikern ständig gedrückt und geherzt, sodass er ernsthafte Quetschungen erleidet, was seinen Krankenhausaufenthalt verlängert und das Image der Klinik aufpoliert.

Warum die Rothosen gerade so schwächlich am Stock humpeln, könnte das beherrschende Thema einer weiteren Arzt-Serie sein – ganz im Stil von Dr. House. Taktisch lebenswichtige Fragen wie „Ist Marcell Jansen links hinten verschenkt?“, „Wer soll neben Zé Roberto die Sechs bilden?“ oder „Hat Guy Demel beim HSV eine Zukunft?“ würden vor und nach dem Spiel im Team heftig diskutiert. Jeder darf seine Meinung sagen – so lange, bis endlich die Koryphäe auf dem Gebiet der Diagnostik eintrifft: Urs Siegenthaler. Der große Scout beim DFB kommt erst im August nach Hamburg und wird dann die Leistungsfähigkeit der Spieler auf Herz und Nieren prüfen. Vielleicht arbeitet Bruno Labbadia da schon bei HBO und startet seine neue Serie.

Van Kuschelrooy

Kein Wunder, dass Ruud van Nistelrooy am 23. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt verletzt zuschauen musste und der HSV nicht viel zustande brachte. Offiziell heißt es zwar, er laboriere an einer Oberschenkelverhärtung. Doch ich befürchte, der Topstürmer muss erst einmal die Nebenwirkungen der recht heftigen Liebesbeweise auskurieren, die ihm in den letzten Tagen von allen Seiten der Liga zuteil geworden waren. Das sind blaue Flecken, Quetschungen und Zerrungen vom permanenten Drücken, Herzen und Ansichziehen.

Der Niederländer rotiert momentan wie ein Musik-Hit durch die Fußball-Medien. Im Fernsehen präsentiert er die Europa League, er lächelt auf den Titeln der Fachmagazine und selbst die ansonsten so unterkühlten Hamburger gehen auf Kuschelkurs mit ihrer neuen 22. Nach dem entscheidenden Dreizueins gegen den VfB Stuttgart warfen sich Feld- wie Reservespieler freudetrunken auf den Torschützen und begruben ihn unter sich; der Menschenhaufen erinnerte an ein Rugbyspiel, wobei van Nistelrooy das Ei war, das die Hanseaten sicher stellten. Auch Trainer Bruno Labbadia herzte kumpelhaft seine Stürmerperle. Als ehemaliger Goalgetter war der Fußball-Lehrer wohl besonders angetan von der Abgebrühtheit seines neuen Stars. Innerhalb von 90 Sekunden und mit nur zwei Ballberührungen hatte „Van the man“ nicht nur den Kritikern beim kicker gezeigt, dass seine Tore auch im Spätherbst seiner Karriere wie welke Blätter von den Bäumen fallen.

Über seinen Qualitätsfußball sind die Hamburger momentan so erleichtert, dass sie ihren neuen Liebling nur noch knuddeln möchten. Von Babies und kleinen Kinder ist ja bekannt, dass Kuscheltiere des Nachts beruhigend wirken und sie damit besser einschlafen können. Diese „Teddybär-Funktion“ übernimmt neuerdings der Weltklassespieler für den in der Vergangenheit so sehr geplagten Rautenverein, der nun schon 23 Jahre lang von einem Titel träumt und in dem Ruf steht, sich im entscheidenden Augenblick in die Hosen zu machen. Neben vernünftigen Gesichtspunkten, die im Vorfeld für oder gegen die Verpflichtung des Niederländers sprachen, wiegt meiner Ansicht nach der symbolische Wert, den van Nistelrooy für den Verein hat, weit mehr.

Der Gefeierte jedenfalls nimmt diesen ganzen Rummel gelassen. Er wirkt zwar nicht ganz so emotionslos fischig wie einst das Phantom Roy Makaay bei den Bayern. Doch auch in seinem Gesicht liegt manchmal eine Spur von Unverständnis hinsichtlich des Aufhebens, das um seine Person gemacht wird, so als ob er sagen wolle: „Hey, fürs Toreschießen habt ihr mich ja geholt. Ich mach doch nur meinen Job.“ Trotz dieser lobenswerten Bescheidenheit wird beim HSV weiter an van Nistelrooy gedrückt und gezerrt. Ja, auch das beste Teddy-Leben hat seine Schattenseiten. Nicht selten werden dem Bärchen von allzu zärtlichen Kleinkindern Augen und Ohren ausgerissen oder das Fell bis zur Unkenntlichkeit versabbert. Und wenn das Stofftier dann ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, landet es in einer Ecke oder aus hygienischen Gründen auf dem Friedhof der Kuscheltiere.

Solch radikale Recyclingmaßnahmen drohen dem ehemaligen Welttorschützen beim HSV in nächster Zeit sicher nicht. Zu einer bedrohten Tierart wird hingegen Dino Hermann, das Vereins-Maskottchen. Er wird wohl bald abgelöst werden: von Ruud dem Kuschelbären.

Vamos a la playa

Deutschland friert momentan fest. Am Wochenende ging es nicht nur darum, Schneesturm „Daisy“ zu überstehen, sondern auch Roland Emmerichs Katastrophenfilm „The day after tomorrow“. Ganz andere Sorgen plagten unsere Bundesligastars: Sonnenbrand und Sand in Badehosen und Adiletten. Denn mit Ausnahme von Leverkusen, Hoffenheim, Bochum und Hannover, die tapfer zuhause im ewigen Eis probten, verschlug es die Mannschaften zum Winter-Trainingslager in südliche Gefilde.

Bayern München und die Weserlinge jetteten nach Dubai, wo sie im Treppenhaus des Burj Tower erstmal Kondition bolzen konnten: Einmal die 11.300 Stufen hoch und runter stählt die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur. Ein hartes Ausdauertraining ließ sicherlich auch Felix „Quälix“ Magath seine Schalker Jungs absolvieren. Als Belohnung genossen die Königsblauen an der spanischen Costa de la Luz die obligatorische Paella mit pappsüßem Sangria – selbstverständlich all inclusive. Gleich um die Ecke feierte die Berliner Hertha ihre schwer erkämpften 6 Punkte der Hinrunde und den letzten Tabellenplatz in einem 5-Sterne-Ressort auf Malle.

Der HSV trainierte, wie auch andere Bundesligateams, in Belek an der türkischen Riviera – einer Trabantenstadt unweit der Touristenmagnete Antalya und Alanya. In dem Ort gibt es einen Freizeit- und Vergnügungspark. Er heißt Troy Aquapark; und das obwohl sich das legendäre Troja dem Archäologen Heinrich Schliemann zufolge im Nordwesten des Landes befindet. Diese Touristenattraktion ist wie das sagenhafte hölzerne Pferd ein riesiger, aber effektiver Schwindel. Vielleicht lässt sich Bruno Labbadia von den Alten Griechen inspirieren und wendet in der Rückrunde genauso gute Tricks an wie der listenreiche Odysseus oder wie die Marketingspezialisten aus Belek. Führen die Strategien dann zum lang ersehnten Titel, wird man Labbadia in Hamburg mindestens zum Halbgott machen.

Neues aus der Nordbank-Klinik

Der HSV kann es also doch noch: zu Null spielen. Seit fast 6 Monaten ist den Hamburgern dieses Kunststück in der Bundesliga nicht mehr gelungen – zuletzt bekamen sie Anfang April gegen Hoffenheim keinen einzigen Gegentreffer und gewannen. Letzten Samstag dann endlich wieder ein abgezocktes Einsnull. Und es war kein Zufall, dass dieses Ergebnis gerade gegen den FC Bayern München erzielt wurde. Denn wenn die Hamburger in letzter Zeit auf die Bayern trafen, sah das meist wie folgt aus: Wenig Tore und der HSV ging nicht als Verlierer vom Platz – die letzten sechs Begegnungen blieb man ungeschlagen. Das Spiel vom Wochenende war also ein fast normaler Nord-Süd-Gipfel, der ja eine lange, legendenreiche Tradition hat.

Das Interessante an dem aktuellen Aufeinandertreffen aber ist die Einsicht, dass Trainer Louis van Gaal kein Bayer, sondern Niederländer ist. Er opfert die bayerische „Mia san mia“-Mentalität der Philosophie eines flexiblen Spiel-Systems. Eljero Elia auszuschalten, ist nur eine Maxime in diesem Konzept. Da dieser in der ersten Hälfte ungewohnt als zweite Spitze neben Mladen Petric auftauchte, wurde Philipp Lahm ins rechte defensive Mittelfeld beordert. Nach Demels Verletzung ließ Labbadia den jungen Holländer wieder gewohnt auf der linken offensiven Außenbahn spielen – und Lahm fand sich plötzlich als rechter Verteidiger wieder. Auf dieser Seite brach in der 72. Minute nicht Elia sondern Zé „tut Bayern weh“ Roberto durch, der dann Aushilfs-Verteidiger Mario Gomez umkurvte und einmal an der gesamten Bayern-Abwehr vorbei zu Petric passte – Tor!

Beide Trainer geizen also nicht mit taktischen Finten. Am Wochenende wurde aber deutlich, dass es hierzulande wenig sogenannte polyvalente Spieler gibt. Lahm beispielsweise ist ein schlechter defensiver Mittelfeldspieler, ein durchschnittlicher rechter und ein guter linker Verteidiger. Und Elia – er kann keinen Stürmer ersetzen. Marcus Berg kriegt leider noch nicht so richtig die Kurve, besser wäre, dem Single-Angreifer Petric einen erfahrenen Partner zur Seite zu stellen. Einen, der weiß, wo das Tor steht: zum Beispiel Ebi Smolarek. Nur Jérome Boateng kann scheinbar in der Abwehr-Kette alles spielen und macht links wie rechts eine starke Figur. Aber häufige Positionswechsel sind meiner Meinung nach für die meisten Vereine mit Vorsicht zu genießen; eine starke Rotation dürfte für den HSV aufgrund seiner dünnen Personaldecke immer schwieriger werden.

Nach den Tiefschlägen in der Europa League gegen Rapid Wien und im DFB-Pokal gegen Osnabrück ist Hamburg wieder ganz oben und verteidigt die Tabellenspitze. Aber der Verein hat höchstwahrscheinlich einen weiteren Invaliden zu beklagen: Guy Demel schied am Samstag mit Verdacht auf Bänderriss aus und bald könnte an der Alster die Liste der Verletzten länger als die der Spielfähigen sein. Doch selbst daraus ließe sich Profit schlagen. Präsident Bernd Hoffmann könnte zum Beispiel eine Fernseh-Soap produzieren: „Verletzt in Hamburg“ oder die „Nordbank-Klinik“. Darin tauschen die Kreuzband-Gang Paolo Guerrero, Colin Benjamin und Alex Silva ihre bunten Krücken aus. Marcell Jansen sitzt auf gepackten Koffern und hofft jeden Tag auf seine Entlassung, die sich aber immer wieder hinauszögert. Bastian Reinhardt träumt des Nachts von seinem Comeback, das niemand mehr für möglich hält, am wenigsten sein gebrochener Mittelfuß. Deshalb hat er vorsichtshalber schon mal eine von Alex Silvas Krücken versteckt. Und Guy Demel schmiedet schreckliche Rachepläne gegen Franck Ribéry.
Wehe, wenn die Invaliden wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden…

Ein verlorener Tag

Man munkelt, dass Erdbebenforscher gestern Erschütterungen im Raum Wien gemessen haben. Ernst Happel, der Übertrainer des HSV, hat sich wohl in seinem Grab herumgedreht. Denn das Nullzudrei seines ehemaligen Meistervereins gegen Rapid war ihm wohl doch zuviel des Guten. Andererseits hatte der kettenrauchende Coach als Aktiver bei Rapid gespielt und wurde auch dort zur Legende, weshalb das Stadion seinen Namen trägt. Vielleicht kamen also die Erschütterungen von den unterirdischen Freudensprüngen des früheren Verteidigers, aber das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Dafür war der Österreicher für den Rautenverein zu prägend und stilbildend. Man erinnere sich nur an die Einführung des Pressings an der Alster, das den Gegner schon früh unter Druck setzte und den Sieg des Landesmeisterpokals sowie zweier deutscher Meisterschaften begründete.

Ausgerechnet im Ernst-Happel-Stadion musste Hamburg also eine herbe Niederlage erleiden und gerät nun in der Europa League in Zugzwang. Aus HSV-Perspektive bleibt festzuhalten, dass viel falsch gelaufen ist – seit 1683. Es wäre besser gewesen, wenn Wien in diesem Jahr türkisch geworden wäre – denn in Istanbul haben die Rothosen letzte Saison im UEFA-Cup famos gewonnen. Dass die Donaustadt doch noch vor den Osmanen gerettet wurde, lag am Hauptbefehlshaber des christlichen Heeres: Johann III. Sobieski, König von Polen. Mich würde nun brennend interessieren, wie der werte Herr Trochowski zu der tollen Tat seines quasi Landsmanns steht – heute, einen Tag nach der Pleite gegen die Ösis.

Bruno Labbadia ist ebenfalls an der Festung Wien gescheitert und die Österreicher freuen sich wieder einmal wie ein Schnitzel darüber, dass sie einen deutschen Verein besiegt haben. So schnell werden die den kleinen-Bruder-Komplex nicht los, befürchte ich. Labbadia dürfte derweil andere Sorgen haben. Er steht im Schatten des Übervaters Happel und wird beweisen müssen, dass der berühmteste Spruch des Grantlers auch für den HSV der Saison 2009/10 zutrifft: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“

Die Neuen

Letzte Woche stockte mir kurz der Atem. Auf kicker online las ich „Mega Deal des HSV.“ Ich dachte schon, Rafael van der Vaart kommt endlich wieder vom Bankdrücken aus Madrid zurück. Oder Khalid Boulahrouz boxt sich vom Neckar bis zur Alster durch. Nein, die Hamburger verpflichteten den wichtigsten Spieler der WM 2009: Igor Vori. – Igor Vori? WM 2009? Ich begriff langsam, dass es hier nicht um Fußball sondern um Handball ging. Denn nur die überaus erfolgreichen Handballer sind beim HSV derzeit in der Lage, Mega Deals zu stemmen.

Solche Coups gibt’s bei den Fußballern schon lange nicht mehr. Die letzte wirklich Aufsehen erregende Verpflichtung war die von Franz Beckenbauer 1980, damals zweifellos ein Schlag ins Gesicht für den FC Bayern. Aber wer – außer einer mittelgroßen Elefantenherde – kann sich daran noch zurückerinnern?

Diese Saison gibt es drei Neuzugänge: Zé Roberto von Bayern, der Bielefelder Robert Tesche und Eljero Elia von Twente Enschede, dem Verein, der in der letzten Uefa-Cup-Saison zwei gratis Lehrstunden von den Rothosen erhielt. Die Neuen sind ordentliche Verstärkungen, eine gute Mischung aus Jung und Alt, Dynamik und Technik, aber sie hauen den erwartungsfrohen Fan nicht gerade vom Hocker.

Auf einen zentralen Spielgestalter im Stile van der Vaarts verzichtet man beim HSV auch in der neuen Spielzeit. Denn bei Trainer Labbadia ist das einzigartige 4-1-3-2 System der Star. Wenn das aber nicht richtig klappt, wird an dem kreativen Loch in der Mitte wahrscheinlich am meisten herumgemeckert – und an den Leistungsschwankungen von Piotr Trochowski. Vielleicht zwitscherte es darum von den Dächern, dass Michael Ballack nach Hamburg käme – eine vollkommen abstruse Meldung. Denn der HSV will ja nächste Saison einen Titel holen; Zweiter werden kann Ballack auch mit Chelsea.

Hoffentlich reicht der Kader diese Saison aus, um dieses Ziel zu verwirklichen. Ansonsten muss Igor Vori den Handball beiseite legen und die Fußballschuhe schnüren.


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