Mann oder Maus

Egal, ob man zuerst mit dem linken Fuß aufgestanden ist, einen rabenschwarzen Tag erwischt oder aufgrund einer endlos langen Invalidenliste nur noch mit einer kümmerlichen B-Elf auflaufen kann: Es gibt Spiele, die muss man als Topmannschaft einfach gewinnen – egal, wie. Das galt letzten Sonntag für den Hamburger SV, da noch Tabellendritter, gegen den Vorletzten, den VFL Bochum. Zur Erinnerung: Auch in schlechten Zeiten prangt auf dem HSV-Trikot ja ein Stern über der Raute – für drei gewonnene Meisterschaften seit Gründung der Bundesliga. Und der müsste doch jedem Hamburger die Brust so breit anschwellen lassen, dass da keine Rennmaus wie Stanislav Sestak vorbei kommt, sollte man meinen. War aber trotzdem so, da Joris Mathijsen den Zweikampf verstolperte. Auch für den Torschützen Dennis Grote hatte sich im Strafraum keiner verantwortlich gefühlt. So verlor der Favorit nullzueins im eigenen Stadion gegen die ewig-graue Maus Bochum. Mit Verlaub: Wie armselig ist das denn?

Die Hanseaten warten nun schon fünf Liga-Spiele lang auf einen Sieg. Die beiden Unentschieden gegen Leverkusen und Schalke waren ja noch akzeptabel, obwohl man auf Schalke wirklich hätte gewinnen müssen. Aber seit dem Halloween-Desaster gegen Gladbach scheinen endgültig alle Dämme in der HSH-Nordbank-Arena zu brechen. Gerade in den Partien mit unterklassigen Gegnern wie Gladbach, Hannover und Bochum, lässt der Sportverein die Punkte liegen, wobei der Spielverlauf dieser Begegnungen ein gemeinsames Muster aufweist: Starker Beginn mit gefühlten 90% Ballbesitz. Und dann fehlt vor dem Tor die Durchschlagskraft, die Cleverness, das Glück. Der HSV versäumt es einfach, die Falle zuschnappen zu lassen und das Spiel in der ersten Hälfte zu entscheiden, was sich dann bitter rächt. Denn in der zweiten Halbzeit bringt er gar nichts mehr zustande und gerät meist ab der 60./65. Minute ordentlich unter Druck. Wie in der vorangegangenen Spielzeit können die Hamburger gegen Ende keine Kraftreserven mehr mobilisieren – der Akku ist mausetot. Da fangen selbst Bochumer Mäuse an auf den Tischen zu tanzen und am Ende ist das Weh-Geschrei an der Alster groß.

Nach der zweiten Heim-Pleite in Folge ist der ambitionierte Rautenclub zum ersten Mal wieder aus der Championsleague gerutscht. Fünfter: das heißt schon wieder nur Europa-League. Kleiner Trost: das kann sich beim derzeitigen Tabellenstand noch ändern, oben liegen die Mannschaften ja dicht beieinander. Zumal die Rothosen in den nächsten Wochen wieder gegen attraktive Gegner spielen dürfen: gegen die drängelnden Mainzer und gegen Hoffenheim. Und vielleicht schaffen sie es dann, endlich wieder gut zu spielen. Zeit wär’s: Am letzten Spieltag vor der Winterpause gibt es nämlich noch eine Rechnung zu begleichen – gegen die grünen, nach Fisch stinkenden Lieblingsfeinde. Und die sind keine grauen Mäuse.

Advertisements

0 Responses to “Mann oder Maus”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s




Sozial

Beliebteste Artikel

Archiv

Hartplatzhelden unterstützen
Advertisements

%d Bloggern gefällt das: