Wie bei GZSZ

Vizekusen hat am Samstag beim DFB-Pokal-Finale seinem Namen wieder alle Ehre gemacht und höflicherweise den Gegner gewinnen lassen. Einen Akteur muss man aus Trainer Bruno Labbadias Elf aber lobend herausheben. Einen, der sich mit Engagement, Leidenschaft und eisernem Willen bis zum Schluss gegen die drohende Niederlage gestemmt hat: Bruno Labbadia selbst. Wie er im feinen Zwirn am Spielfeldrand entlangtigerte und sich immer wieder über Stefan Kießling ärgerte, der zum xten Mal einen Schritt zu spät kam und an der Flanke ganz elegant vorbeisegelte – Wahnsinn!

Solch vorbildlicher Einsatz wird wohl schon bald mit der Entlassung belohnt, der frühere Stürmer kommt ziemlich wahrscheinlich zum HSV. Das Verhältnis von Labbadia zu weiten Teilen der Leverkusener Mannschaft soll gestört sein. Ein Grund: Seine Ansprachen seien für die Spieler zu hart. Auch bei Gladbach wurde der raue Umgangston von Trainer Hans Meyer gerügt. Das gesamte Team schrieb einen Beschwerdebrief an den Präsidenten und Jungstar Marko Marin beklagte sich in der Presse über Meyers ironische Sticheleien. Das war dem erfahrenen Coach dann doch zuviel Kindergeburtstag und er schmiss nun nach erreichtem Klassenerhalt hin. Auch Lukas Podolski ließ sich in der Nationalmannschaft den lauten Rüffel von Michael Ballack nicht kommentarlos gefallen und wischte zurück.

Fußball-Leiter und Kapitäne haben’s heutzutage genauso schwer wie Lehrer und Eltern: Irgendwie akzeptieren die Jungen keine Autoritäten mehr. Ein Berg von Erziehungsbüchern will ratlosen Pädagogen zu Hilfe kommen: In ihnen werden Kinder als Tyrannen bezeichnet, die Disziplin wird gelobt und man ist auf der Suche nach der guten Schule. Auch Matthias Sammer fordert von jungen Spielern, dass sie Autoritäten wieder mehr anerkennen sollen – auf dem Platz, aber auch im normalen Leben. „Das hätten wir uns früher nicht getraut“, ist der Standard-Satz der älteren, fassungslosen Generation, die sich in Hierarchien gefügt hat und das auch von den Jungen erwartet. Doch die spielen die Alten gegeneinander aus, schreiben Beschwerdebriefchen, petzen bei der Presse und pinkeln den Leitwölfen ans Bein. Sie tricksen, als ob sie sich mitten in einer Daily Soap befinden, wo die Intrige ein ganz normales Mittel zum Erreichen der persönlichen Ziele ist. Die Jungen sind nämlich nicht durch moralinsaure Ratgeber sozialisiert, sondern mit „Verbotene Liebe“, „Marienhof“ und „Unter Uns“ groß geworden und haben aus den Serien viel gelernt. Nun ist es Zeit, dass Trainer, Lehrer und Eltern ihre Erziehungsschinken einmotten und umdenken.

Vielleicht treffen sich Bruno Labbadia, Hans Meyer und Michael Ballack schon bald zu einem Videoabend und schauen sich ein paar Folgen GZSZ an. Denn das nächste Beschwerdebriefchen kommt bestimmt.

Advertisements

3 Responses to “Wie bei GZSZ”


  1. 1 Enno [welt-hertha-linke] Juni 5, 2009 um 10:05 am

    Hehe… Das hätte was, die drei abgewatschten auf der Couch sitzend und die Tränen die Wangen runter kullernd, weil auch bei GZSZ die Sitten mittlerweile vollkommen verrohen…

    Mal schauen, wie sich Labbadia beim HSV macht. Ich bin gespannt.

    • 2 michael Juni 5, 2009 um 11:14 am

      @Enno: Noch mal Glück gehabt, dass wir euch den Favre nicht weggeschnappt haben, hä? Ich hoffe auch, dass der Bruno die Hamburger rannimmt. Das Pampern bringt nix, das hat man bei Neves gesehen.

  2. 3 Marcel Juni 7, 2009 um 2:18 pm

    Hi Herr Oberstudienrat Kunth,

    diesmal kann man an dem Text schon erkennen, dass ein Lehrer ihn geschrieben hat 😉
    Ja, ja, die Lehrer, die nach bester Kopfnotenart, stets die Sittenwächter der Kleinen und Pubertierenden waren und sind! Nein, das ist kein Spot (nur ein bisschen). Im Gegenteil, denn ontogenetisch ist diese Berufsgruppe eigentlich ganz wichtig, da sich durch sie das noch junge, unreife Über-Ich außerhalb des Elternhauses sich neue moralische Vorbilder suchen kann.

    Nun aber weg von der Psychologie und wieder hin zum Wesentlichem – dem (literarischen) Fußball: Wie die bisherigen Texte, ist auch dieser wiedermal ein gelungener. Ich frage mich nur:Wann nimmt dieser Autor endlich mein Ratschlag an und sendet seine Artikel an die Redaktion von „11 Freunde“?


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s




Sozial

Beliebteste Artikel

Archiv

Hartplatzhelden unterstützen
Advertisements

%d Bloggern gefällt das: